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Lernen: Ist die Nase mit dabei?

DMZ – FORSCHUNG ¦ Patricia Jungo ¦      

 

Auch wenn sich das Sprachenlernen verändert und entwickelt hat, kommt man immer noch nicht darum herum, Vokablen und Begriffe zu pauken, um sie bei Gebrauch einfach abrufen zu können. Das geht leider nicht immer ganz „frustfrei“.

 

Manche Wörter wollen sich einfach nicht einnisten und tanzen einem wahrlich auf der Nase herum. Aber was wäre, wenn gerade die Nase dem Kopf Unterstützung bieten würde, so dass man ohne zusätzliches Lernen mehr verstehen könnte?. Mit dieser spannenden Frage hat sich eine Freiburger Forschungsgruppe befasst und eine Methode getestet, die sie dann auch als alltagstauglich eingestuft hat. So soll es reichen, sich während einer Dauer von drei Tagen beim Lernen, Schlafen und auch der Prüfung mit demselben Duft zu umgeben. Schon geht das Lernen besser - doch bedauerlicherweise wird dennoch ein Teil der Wörter im Laufe der Zeit wieder vergessen.

 

So schreibt es das Team im „Scientific Reports“. An sich ist es nichts Neues, dass Düfte dem Gedächtnis ein toller Begleiter sind. Die Biologin Jessica Knötzele von der Universität Freiburg und ihre Kollegen wollten nun untersuchen, welchen Einfluss der wiederholte Einsatz von einem Geruch kurz- und langfristig auf das Erinnerungsvermögen haben könnte. Dazu bekamen 165 Erwachsene die Aufgabe an drei Tagen mit einem Onlineprogramm immer wieder die gleichen 40 japanischen Vokabeln zu pauken. Am ersten Tag wurden die Wörter gleich nach dem Lernen online abgefragt, am zweiten bis vierten Tag jeweils vor dem Lernen, anschließend noch einmal eine Woche und vier Wochen danach.

 

An der Prüfung musste zu jedem japanischen Wort die deutsche Übersetzung eingegeben werden. Danach wurde die richtige Lösung sichtbar. Zuvor hatten die Teilnehmer drei Umschläge erhalten, welche ein Granulat mit Rosenduft oder einen geruchfreien Füllstoff beinhalteten. Die Aufschrift lautete »Lernen«, »Schlafen« oder »Testen«, was bedeutete, dass die Versuchspersonen den betreffenden Umschlag zu diesen Anlässen neben sich legen sollten. Dabei erhielt eine Gruppe drei Umschläge mit Rosenduft, die andere drei ohne jeglichen Geruch. Zwei weitere Gruppen bekamen Rosenduft nur zum Lernen und entweder zum Schlafen oder zur Prüfung. Einige schliefen also ohne den Geruch, andere machten die Tests geruchsfrei.

 

Dazwischen wurden die Umschläge immer in luftdichten Beuteln aufbewahrt, um zu vermeiden, dass der Duft permanent in der Luft lag. Das Ergebnis zeigte Folgendes: Beim Abschlusstest am vierten Tag übersetzte die Gruppe mit Dreifach-Beduftung im Mittel 57 Prozent der japanischen Wörter korrekt – rund 8,5 Prozent mehr als die anderen drei Gruppen, die mit 48 oder 49 Prozent ungefähr gleich lagen. Der bereits am zweiten Tag sichtbare Vorsprung für die Dreifachduft-Gruppe wurde im Verlauf der drei Tage bedeutender. Jessica Knötzele führte das Experiment im Rahmen ihrer Masterarbeit durch und berichtete, dass der Lernerfolg der Versuchspersonen deutlich grösser war, wenn der Duft sowohl während des Lernens, des Schlafens als auch während des Vokabeltests eingesetzt wurde. Es zeigte sich aber auch, dass der Duft nicht verhindern konnte, dass ein Teil der Vokabeln ohne Wiederholung langsam wieder aus dem Gedächtnis gelöscht wurde: So konnten die Versuchspersonen rund jede fünfte Vokabel vier Wochen später nicht mehr abrufen. Immerhin kann aber spekuliert werden, dass der Duft dem Vergessen mindestens noch eine Woche entgegenwirkte.

 

Dennoch sind die Erkenntnisse für die Praxis wertvoll. Bis anhin ging man davon aus, dass der Geruch nur während der sensiblen Schlafphase da sein dürfe. Diese zu ermitteln braucht laut Studienautor Jürgen Kornmeier, Direktor am Freibruger Institut für Grenzgebiete der Psychologie, ein Elektroenzephalogramm (EEG). Wie der neue Befund aber zeigt, ist dies nicht notwendig und der Duft darf die ganze Nacht in der Luft liegen. Offen ist aber noch, wieviele Lernsessions und Nächte optimal sind.

 

 

±www.spektrum.de±

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