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Die Anderen? Die leben von den Dummen.

DMZ –  SATIRE ¦ Ruedi Stricker ¦    

 

Wie die Wirtschaft funktioniert, lernt man der Uni. Oder schon im Sandkasten, wo Ressourcen, also Schaufeln und Sand, mit verschiedensten Mechanismen optimaler Allokation zugeführt werden. Die Methoden reichen von der Kollision einer Schädeldecke mit einer Schaufel bis zu Verhandlungen auf höchstem Niveau: «Wenn du mir den blauen Kessel schenkst, verschweige ich deinem Vater, dass du den Hühnerstall in Brand gesteckt hast.» Nachfolgend ein Beispiel von besonderer Niedertracht.

 

Der Dumme

Der Dumme (also der Schreiber dieser Zeilen) findet auf dem Rasen hinter der Turnhalle eine riesige Hantel. Keiner in der Klasse kann sie stemmen, die Experten einigen sich auf eine Schätzung von knapp 80 Kilo. Körperliche Stärke und ein an Dummheit grenzender Ehrgeiz brachten mich nach längerem Training dazu, dieses Ding tatsächlich senkrecht über den Kopf zu hieven.

 

Eines Tages sitze ich an meinen Schulaufgaben und werde von meinem Bruder gestört: «Ich habe gehört, Du hättest behauptet, diese Hantel zu stemmen. Das glaubt Dir doch kein Mensch.» Zehn Minuten später blieb ihm nichts anderes übrig, als es zu glauben. Ich hatte vor aller Augen bewiesen, dass es geht. Etwas seltsam dünkte mich nur, dass auffallend viel Militär meiner Vorführung beiwohnte. Ich dachte mir nichts dabei und machte mich wieder an die Schulaufgaben.

 

Der Andere

Mein Bruder hielt sich – wie ich später erfuhr – oft hinter der Turnhalle auf und unterhielt sich mit den dort einquartieren Rekruten. Unter anderem auch über die auffällige, grosse Hantel mit den Betonkugeln. Offenbar schafften es diese Krieger nicht, das schwere Teil über den Kopf zu stemmen, was meinen Bruder auf eine Idee brachte: «Mein Bruder geht noch zur Schule und stemmt diese Hantel. Wer’s nicht glaubt, kann gern dagegen wetten.» Die aufmerksame Leserschaft weiss, wie es weitergeht.

 

3 Die Moral von der Geschichte

Die Anderen leben von den Dummen, und die Dummen vom Arbeiten.*

 

* Anmerkung der Redaktion: Die Aussage trifft selbstverständlich nur im Kontext der Satire zu und hat keinerlei Bezug zum realen Leben.

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