AT: Neue Wege in der Lehrerausbildung: Aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven

DMZ –  POLITIK ¦ MM ¦ Lena Wallner ¦           

 

Die Weiterentwicklung der Pädagoginnen- und Pädagogenbildung ist Teil eines umfangreichen Maßnahmenpakets zur Förderung der Lehrerausbildung. Eine bedeutende Strukturänderung betrifft die Lehramtsstudien, die nun 180 ECTS-Anrechnungspunkte für Bachelor- und 120 ECTS-Anrechnungspunkte für Masterstudien in allen Altersbereichen umfassen sollen.

 

Dabei sollen laut den Erläuterungen zu der Novelle wesentliche Eckpunkte der 2013 eingeführten "Pädagoginnen- und Pädagogenbildung Neu" beibehalten werden. Dazu gehört die vergleichbare und gleichwertige Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern aller Altersbereiche, die Verpflichtung zur wissenschaftlichen Vertiefung und die Absolvierung des Masterstudiums für das Lehramt, nicht nur für Lehrkräfte an mittleren und höheren Schulen, sondern auch im Bereich der Primarstufe. Die Änderung der Studienstruktur zielt darauf ab, die nationale und internationale Vergleichbarkeit und die Durchlässigkeit — insbesondere hin zu Doktoratsstudien — zu erhöhen und die Attraktivität des Studiums zu steigern, wird dazu in den Erläuterungen festgehalten.

 

Weiterhin ist die Möglichkeit vorgesehen, ein sogenanntes Fächerbündel (Allgemeinbildung) statt zweier Unterrichtsfächer oder eines Unterrichtsfachs und einer Spezialisierung anzubieten, sodass in Lehramtsstudien der Sekundarstufe (Allgemeinbildung) mehr als zwei einander überschneidende Unterrichtsfächer absolviert werden können. Davon erhofft man sich die Ausbildung von Lehrkräften, die zu einem fächerübergreifenden Unterricht in mehr als zwei Unterrichtsgegenständen befähigt sind, insbesondere im MINT-Bereich.

 

Für Studierende und Absolventinnen der Primarstufe sollen die Erweiterung der Lehrbefähigung auf den an die Primarstufe angrenzenden Altersbereich sowie die Vertiefungen in einem Förderbereich künftig als 30 ECTS-Anrechnungspunkte umfassende Erweiterungsstudien angeboten werden. In Lehramtsstudien für die Sekundarstufe (Allgemeinbildung) soll eine Spezialisierung anstelle eines zweiten Unterrichtsfachs gewählt werden können.

 

In Masterstudien für das Lehramt Sekundarstufe (Berufsbildung) ist die Wahl zwischen einer berufsfachlichen Vertiefung oder pädagogischen Schwerpunkts vorgesehen. Wie bisher soll inklusive Pädagogik von jeder Pädagogischen Hochschule als Schwerpunkt, der zu einer erweiterten Lernbefähigung führt, Spezialisierung oder pädagogischer Schwerpunkt angeboten werden. Mit der Novelle soll nun "Deutsch als Zweitsprache und sprachliche Bildung" als verpflichtendes Angebot hinzukommen. Letzteres soll, um die Umsetzung des verpflichtenden Angebotes sicherzustellen, auch in Kooperation zweier oder mehrerer Pädagogischer Hochschulen angeboten werden können. Allerdings müsse in jedem Verbund jedenfalls Deutsch als Zweitsprache angeboten werden, heißt es in den Erläuterungen zur Novelle.

 

Ein weiterer Schwerpunkt der Novelle ist der Ausbau von den die Lehrerberufe begleitenden oder "professionsbegleitenden" Studienangeboten, vor allem auf Masterniveau. Damit sollen praktische Erfahrungen, die Studierende bereits als im Dienst stehende Lehrkräfte sammeln, besser in die Curricula und die Gesamtkonzeption der Studien integriert und nutzbar gemacht werden.

 

Auf Grundlage dieser vorgeschlagenen gesetzlichen Änderungen müssen alle Curricula für die Lehramtsstudien neu konzipiert und qualitätsgesichert werden. Die Novelle enthält dazu detaillierte Rahmenvorgaben für die Begutachtung der Curricula durch den Qualitätssicherungsrat für Pädagoginnen- und Pädagogenbildung. Darüber hinaus soll das Modell des "Quereinstiegs" nun auch für die Bereiche der Sekundarstufe (Berufsbildung) ermöglicht werden. Davon erhofft sich die Bundesregierung, den Beruf der Lehrerin bzw. des Lehrers und vor allem den Ein- und Umstieg in diese Profession für Personen mit fachlich geeigneter langjähriger Berufserfahrung und entsprechendem qualifizierenden Vorstudium attraktiver zu machen.

 

 

Herausgeber / Quelle: Parlamentskorrespondenz Österreich ¦ 


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