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Vorlesen und Vorsingen: Gold für die Sprachentwicklung

DMZ –INTERNATIONAL ¦ Patricia Jungo ¦  

 

Die Sprachentwicklung von Babys wird sehr effizient gefördert, wenn Eltern und Bezugspersonen sehr früh mit ihnen sprechen, ihnen vorlesen und vorsingen. Das Vorsingen hilft den Kindern frühzeitig ein Gefühl für Rhythmus und Bewegung zu entwickeln.

 

Dabei stellt sich die berechtigte Frage, welchen Einfluss dabei die Auswahl des Liedes hat. Mit dieser Frage hat sich ein Forschungsteams der Universität Wien gemeinsam mit Wissenschaftlern der University of East London beschäftigt und die entsprechenden Ergebnisse in „Developmental Cognitive Neuroscience“ veröffentlicht.

 

Es stellte sich heraus, dass schnellere, eher komplexe Spiellieder eine andere Wirkung auf den Sprachschatz von Kindern sowie ihre Fähigkeiten, Musik zu verarbeiten, haben als langsame, einfachere Schlaflieder. Im Rahmen der Studie hatten die Mamas den Auftrag ihren sieben Monate alten Babys zwei bekannte Kinderlieder vorzusingen – das Wiegenlied »Schlaf, Kindlein schlaf« sowie das Spiellied »Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann«. Im Gegensatz zu Spielliedern, die einen schnelleren Rhythmus, mehr Komplexität und höhere Töne haben, besitzen Schlaflieder ein langsames Tempo, weniger musikalische Variation und tiefere Tonhöhen.

 

Um herauszufinden, wie die 30 untersuchten Säuglinge die Musikstücke wahrnehmen und neuronal verarbeiten, haben die Forschenden während des Vorsingens der beiden Lieder die Gehirnaktivität mittels Elektroenzephalografie (EEG) gemessen. Laut Trinh Nguyen, Erstautorin der Studie von der Universität Wien, brachten die Resultate zutage, dass es den Babys leichter fiel, das Schlaflied mit ihrer Gehirnaktivität zu tracken. Die Gehirnwellen spiegelten den Klang des Gesangs wider. Daraus schlossen die Forscherin und ihre Kollegen, dass die einfachere Struktur des Schlafliedes das Tracking für die Kinder leichter machte.

 

Des weiteren wurde festgestellt, dass die neuronale Verfolgung von Wiegenliedern schwächer war, wenn die Säuglinge keinen Blickkontakt mit der Mutter hatten, was ein Hinweis darauf ist, dass das neuronale Tracking mit der Aufmerksamkeit der Säuglinge auf das Gesicht der vorsingenden Person in Zusammenhang steht. Im Fokus der Beobachtungen des Forschungsteam stand auch die Frage, ob die Säuglinge mit Wippen oder Strampeln auf die Lieder reagierten. So zeigten die Säuglinge mehr rhythmische Bewegungen während des Spielliedes. Das schnellere Tempo des Liedes regte anscheinend die Kinder stärker an, sich zur Musik zu bewegen. Die Säuglinge hatten zudem während des Spiellieds eindeutig längeren Blickkontakt mit ihren Mamas als während des Wiegenliedes.

 

 

 

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