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Verschwörungsgläubigkeit und ihre Zusammenhänge mit Bildung und kritischem Denken: Neue Erkenntnisse aus aktuellen Studien

DMZ –  WISSENSCHAFT ¦ Lena Wallner ¦                          

 

Verschwörungsgläubige Menschen weisen tendenziell ein geringeres Bildungsniveau auf, wie verschiedene Studien zeigen. Obwohl sie sich selbst oft als sehr kritische Denker betrachten, denken sie tatsächlich weniger kritisch.

 

Verschwörungsideologien sind in unserer Zeit hochaktuell und reichen von der Behauptung, dass Corona von Bill Gates erfunden wurde, bis hin zur Annahme, dass das Virus absichtlich vom chinesischen Staat entwickelt wurde, um mehr Macht zu erlangen.

 

In Krisenzeiten blühen solche Verschwörungsideologien auf, da Menschen nach einfachen Erklärungen und Feindbildern suchen, um Orientierung zu finden. Oft trifft man dabei auf Menschen, die bereits Esoterikgläubige, Abergläubige, Rechte oder Extremisten sind und ein tiefes Bildungsniveau aufweisen.

 

Untersuchungen haben ergeben, dass fast ein Drittel der Menschen Mythen über Corona glaubt und dass die Anhänger von Verschwörungstheorien im Durchschnitt jünger, gestresster und politisch extremer sind.

Das Phänomen der Verschwörungstheorien lässt sich auf verschiedene Faktoren zurückführen, darunter Anomie, Misstrauen gegenüber Behörden und Unzufriedenheit. Menschen, die solchen Theorien anhängen, neigen oft dazu, auch anderen Verschwörungstheorien Glauben zu schenken, was als "Verschwörungsmentalität" bezeichnet wird.

 

Diverse Untersuchungen haben gezeigt, dass der Glaube an Verschwörungstheorien mit einem niedrigeren Niveau des kritischen Denkens korreliert. Menschen, die weniger an Verschwörungstheorien glauben, schnitten bei einer Aufgabe zum kritischen Denken besser ab. Interessanterweise überschätzen die Verschwörungsgläubigen oft ihre eigenen kritischen Denkfähigkeiten und sehen sich selbst als besonders kritische Denker.

 

Die Ursachen und Zusammenhänge zwischen Bildungsniveau, kritischem Denken und Verschwörungsmentalität sind noch nicht vollständig verstanden. Es ist jedoch wichtig, das Phänomen weiter zu erforschen, um Interventionen zu entwickeln, die das verschwörerische Denken abmildern können.

 

Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit Covid-Impfungen und Schutzmaßnahmen stellen eine zunehmende Herausforderung dar und betreffen nicht nur die sozialen Medien, sondern auch das reale Leben. Fachstellen und Behörden sehen sich vermehrt mit solchen Fällen konfrontiert und versuchen Strategien zu entwickeln, um damit umzugehen.

 

Es bleibt noch viel zu erforschen, wie Menschen von gesunder Skepsis in die Verschwörungsmentalität abgleiten und wie man dem entgegenwirken kann. Es ist wichtig, das Phänomen der Verschwörungsideologien weiterhin genau zu untersuchen und zu verstehen, um mögliche präventive Maßnahmen zu entwickeln. Dabei sollte man jedoch bedenken, dass es oft schwierig ist, Menschen von ihren festen Überzeugungen abzubringen, da diese Ideologien oft nicht durch Fakten oder Argumente widerlegbar sind.

 

Verschwörungstheorien sind alternative Sichtweisen zu etablierten Erklärungen und beinhalten oft sensationelle Geschichten, die sich um kleine Gruppen drehen, die aus fragwürdigen Motiven heraus Kontrolle ausüben. Aktuelle Ereignisse und Forschungsergebnisse haben zahlreiche negative soziale und persönliche Auswirkungen für diejenigen aufgezeigt, die solche Theorien unterstützen. Frühere Forschung legt nahe, dass verschiedene Faktoren die Anfälligkeit für Verschwörungstheorien vorhersagen können, darunter narzisstische Persönlichkeitsmerkmale (Größenwahn, Bedürfnis nach Einzigartigkeit), kognitive Prozesse (kritisches Denken, Bestätigungsfehler) und mangelnde Bildung.

 

Das Ziel dieser aktuellen Untersuchung war es, zu erforschen, wie verschiedene Facetten des Narzissmus die Anfälligkeit für Verschwörungstheorien beeinflussen. Es wurde erwartet, dass Narzissmus einen positiven Vorhersagefaktor darstellt, Bildung und kognitives Reflektionsvermögen jedoch als Schutzfaktoren wirken und diesen Effekt reduzieren. In Studie eins wurde eine internationale Umfrage (N = 323) durchgeführt, um die Rolle der Bildung als Schutzfaktor in der Beziehung zwischen narzisstischen Merkmalen und Verschwörungsgläubigkeit zu untersuchen. Die Ergebnisse unterstützten die Annahmen, dass Personen mit höheren Graden an Größenwahn, verletzlichem Narzissmus, dem Streben nach Einzigartigkeit und dem Streben nach Vorherrschaft ein höheres Maß an Verschwörungsgläubigkeit aufwiesen. Höhere Bildung und eine Ausbildung in den Naturwissenschaften (STEM) waren mit geringeren Maßnahmen von Verschwörungsgläubigkeit verbunden. Allerdings zeigten alle signifikanten Wechselwirkungen, dass Bildung für narzisstische Personen die Wahrscheinlichkeit erhöhte, Verschwörungsglauben anzunehmen, entgegen der Erwartung.

 

Um dies weiter zu untersuchen, analysierte Studie zwei einen großen, öffentlich verfügbaren Datensatz (N = 51.404), um die Beziehung zwischen Narzissmus, kritischem Denkvermögen (insbesondere kognitive Reflexion) und Verschwörungsglauben im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie zu bewerten. Wie erwartet, ergab die Analyse, dass Narzissmus und geringes kognitives Reflektionsvermögen (intuitives Denken) Vorhersagefaktoren für Verschwörungsglauben waren. Höhere kognitive Reflexionsfähigkeit wirkte als Schutzfaktor und reduzierte den Einfluss von Narzissmus auf die Akzeptanz von Verschwörungstheorien.

 

Die Ergebnisse legen nahe, dass kognitive Reflexion, aber nicht unbedingt Bildung, vor narzisstischem Verschwörungsglauben schützen kann. Zudem scheint kognitive Reflexion möglicherweise eine begrenzte Wirkung gegen Verschwörungstheorien zu haben, die aus sozialen oder ideologischen Gründen übernommen werden. Diese Ergebnisse tragen dazu bei, das Verständnis für die Rolle und Grenzen von Bildung und kritischem Denken als Schutzfaktoren gegen die Akzeptanz von Verschwörungstheorien zu verbessern.

 

 

Quellen: 

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