Entmystifizierung von Freibädern: Die Fakten hinter den Schlagzeilen

DMZ –  GESELLSCHAFT ¦ MM ¦ Lena Wallner ¦                

 

In den vergangenen Wochen und Jahren wurden Freibäder in den Medien oft zum Zentrum hysterischer Schlagzeilen gemacht. Die Berichterstattung suggerierte, dass die Situation außer Kontrolle geraten sei und sich drastisch verschlechtern würde. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass viele dieser Behauptungen reine Fehlinformationen sind und größtenteils auf rassistischen Motiven basieren.

 

Die tatsächlichen Zahlen erzählen eine ganz andere Geschichte und offenbaren, dass die Gewaltdelikte in Berliner Freibädern im Jahr 2022 im Vergleich zu 2018 um beeindruckende 26 % auf lediglich 57 Fälle gesunken sind.

 

Der Journalist Tarek Baé, der diese Thematik aufgriff, verdeutlichte in seinen Aussagen, dass die Anzahl der Hausverbote wegen Fehlverhaltens in Berliner Bädern sogar um ganze 76 % zurückging - von 572 Fällen in 2018 auf lediglich 133 Fälle. Er kritisierte dabei scharf die negative Darstellung, die gezielt auf arabische Jugendliche und Migranten abzielte und eine Sprache voller militärischer Metaphern von Jägern und Territorien verwendete. Baé betonte, dass hinter diesen Statistiken junge Menschen stehen, deren individuelle Situationen und Hintergründe nicht außer Acht gelassen werden sollten, und er machte die rechtspopulistische AfD als treibende Kraft hinter dieser Panikmache aus.

 

Besonders interessant sind auch die Vergleiche mit anderen Freibädern. So wird schnell deutlich, wie stark die Berichterstattung durch populistische Schema-Framings geprägt war. Das Columbiabad in Berlin-Neukölln galt oft als Krisenherd, während das Sommerbad Pankow (ehemals Ostberlin) in den letzten fünf Jahren sogar 211 Hausverbote verzeichnete - fast doppelt so viele wie das Columbiabad mit seinen 94 Hausverboten. Diese Vergleiche zeigen, dass bestimmte Stadtviertel zu Unrecht als Sündenbock für das Gesamtproblem herhalten mussten.

 

Doch es beschränkt sich nicht nur auf Berlin. In Nordrhein-Westfalen gab es in den insgesamt 269 Freibädern laut der letzten bekannten Statistik im ersten Halbjahr 2022 lediglich 107 Straftaten, darunter lediglich fünf Körperverletzungen und ein Raubüberfall. Zum Vergleich: Beim Schützenfest in Betzdorf im selben Jahr gab es mehr Gewaltdelikte als in sämtlichen Freibädern zusammen. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache und entlarven die übertriebene Panikmache.

 

Eine amüsante, jedoch zugleich besorgniserregende Tatsache ist, dass viele dieser vermeintlichen Fakten größtenteils aus parlamentarischen Anfragen der AfD stammen. Es wird deutlich, dass diese Partei das Thema gezielt für ihre rassistische Stimmungsmache ausschlachtet. Ein Beispiel hierfür ist ihre Anfrage nach den Vornamen deutscher Tatverdächtiger in Freibädern, was zeigt, dass politische Interessen hier im Vordergrund stehen und nicht das Wohl der Gesellschaft.

 

Angesichts dieser aufgedeckten Fakten und Zahlen ist es von größter Bedeutung, die Berichterstattung kritisch zu hinterfragen und sich nicht von Fake News und Panikmache beeinflussen zu lassen. Stattdessen sollten wir auf verlässliche Informationen und Fakten basierende Debatten führen, um tatsächliche Probleme angemessen anzugehen und eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft zu fördern.

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