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Jahrmarkt II

DMZ –  BLICKWINKEL ¦ Ruedi Stricker ¦                   

 

Nein, diesmal geht es nicht um Romantik. Es geht um den Putz, auf den man haut, um Status und die Umsetzung von Clausewitz'scher Strategie: «Klotzen, nicht kleckern.»

 

Normale Pubertierende trugen - höflich gesagt - gut eingetragene Kleider und bewegten sich im besten Fall auf einem frisierten Töffli. Ihre Liquidität war prekär, eine Chilbi ein finanzieller Showdown.

 

Nicht so bei uns. Kurt und ich verfügten am Morgen jenes Chilbisonntags in Rorschach über nicht weniger als sechshundert Franken. Wir beschlossen, diesen Betrag an diesem Sonntag verdunsten zu lassen, obwohl das gar nicht so einfach war. Man stelle sich vor: Sechs Hundert Schweizer Franken im Jahr 1969.

 

In einem ersten Schritt entschlossen wir uns, keinen Schritt zu tun. Wir organisierten so eine schwarze Taxilimousine, die uns nach Wolfhalden fuhr, wo wir uns nach den Strapazen der fast eine Viertelstunde dauernden Taxifahrt zuerst mal stärkten. Es gab das Beste von der Karte, begleitet vom teuersten Wein. Als wir nach der zweiten Limousinenfahrt in Rorschach eintrafen, hatten wir immer noch 400 im Sack.

 

Der Inhaber des Schiessstandes war zuerst etwas irritiert, dann hocherfreut. Welcher Kunde kommt schon daher, drückt ihm 200 Schtutz in die Hand und schickt ihn in die Bar hinüber, damit er in aller Ruhe mit 200 Schuss die ganze Wand leerschiessen kann? Blumen, Puppen, alles lag am Boden. Genug, um zwei Müttern den Kinderwagen zu füllen und Augen glänzen zu lassen.

 

Um diesem unvergesslichen Erlebnis einen angemessenen Rahmen zu verleihen, begaben wir uns anschliessend ebenfalls in die Bar. Nicht um den gleichen Fusel wie der Inhaber des Schiessstandes zu trinken, sondern etwas Richtiges. Und das in der richtigen Menge. Wer mit dem Taxi fährt, muss sich keine Gedanken um Promille machen.

 

Spätestens jetzt ist die Frage fällig: Wie finanziert man solche Vorhaben? Mit Jäten jedenfalls nicht. Für solche Vorhaben brauchte man zwei Dinge: Erstens Kontakt zu einem wohlhabenden Zürcher, der auf Bauernschränke steht. Zweitens die Dreistheit, in ein altes Bauernhaus zu marschieren und blöde Fragen zu Mobiliar und Feuerversicherungen zu stellen. Wir hatten Beides.

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