Banken: Wohin geht die Reise?

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DMZ –  BLICKWINKEL ¦ Ruedi Stricker ¦                   Printscreen Website CS

 

(Artikel aus dem Jahre 2018)

1995 gab es in der Schweiz gut 400 Banken. Jetzt sind es noch etwa 250. Brauchen wir in Zukunft überhaupt noch Banken? Welche Leistungen werden weiterhin gefragt sein oder was fällt wegen der Digitalisierung weg?

 

Die Funktion der Banken

Banken erfüllen mehrere Aufgaben, wobei zu unterscheiden ist zwischen den Dienstleistungen am einzelnen Kunden einerseits und anderseits den Leistungen für die Volkswirtschaft. Der einzelne Kunde braucht die Bank für seinen Zahlungsverkehr, für die Aufnahme eines Kredits oder für die Äufnung seiner Sparguthaben. Viel wichtiger im volkswirtschaftlichen Kontext sind jedoch jene Leistungen, auf deren Ebene das Prädikat der Systemrelevanz aufgetaucht ist.

 

Das Verschwinden des klassischen Retailgeschäfts

Der aktuelle Stand im Zahlungsverkehr ist durch E-Banking geprägt. Die Bank verdient daran kaum etwas, und der Kunde möchte auch nichts dafür zahlen – nicht zuletzt aufgrund der Überlegung, dass er die Arbeit sowieso selber macht. In Zukunft werden Zahlungen wohl nicht mehr über einen Hub als Bank, sondern direkt Peer-to-Peer abgewickelt werden. Zum Beispiel oder vor allem in Form von Kryptowährungen.

Eine ähnliche Entwicklung hat auch bei der Kreditvergabe und dem Sparen begonnen. Spezialisierte Plattformen vermitteln direkt zwischen Geldgeber und Geldnehmer und sparen dadurch erhebliche Kosten. Zudem entfällt für den Kreditgeber auch das Risiko der Bank. Der Sparer kann also im Ernstfall direkt auf die Investition zugreifen, zum Beispiel eine von ihm finanzierte Immobilie. Im aktuellen Zustand kann der Sparer höchstens auf die Staatsgarantie für «seine» Bank zählen, und die ist in mehrfacher Hinsicht limitiert.

 

Das Versagen der Finanzmarktaufsicht

Die Finanzmarktaufsicht sorgt dafür, dass die Geschäftsbanken ihre Bilanzen nicht bis zu ungesunden Dimensionen «aufblasen» bzw. so viele Eigenmittel halten, damit sie auch im Krisenfall ihren Verpflichtungen nachkommen können. Das tut sie mit Vorgaben über Mindestgrössen bei den Eigenmitteln. Allerdings kann sie kaum verhindern, dass die Banken – unterstützt durch die Digitalisierung – mit immer neuen Verschachtelungen und selber geschöpftem Geld die Grenzen der Bankbilanz längst gesprengt haben. In einem Katz-und-Maus-Spiel gelingt es ihnen immer wieder, den Sinn der Regulierung zu unterlaufen und fast risikolos Geld zu verdienen, weil ja sie faktisch von einer Staatsgarantie profitieren. Die Verlierer in diesem Spiel sind ihre Kunden und die Steuerzahler.

 

Solvenzregeln statt Eigenmittelvorschriften

Von Jonathan McMillan stammt die Idee einer systemischen Solvenzregel. Im Prinzip ist sie eine schlichte Buchhaltungsregel: Der Gesamtwert der Realvermögen muss dem Wert der Verbindlichkeiten in einer Worst-Case-Finanzanlage entsprechen. Das tönt nicht völlig neuartig. Wesentlich ist nur der Unterschied, dass es um die Realvermögen geht und die Finanzanlage in den Aktiven nicht mitgezählt werden dürfen. Die Auswirkungen wären jedoch für die Banken enorm (für eine Industriefirma wären sie vernachlässigbar). Und so einschneidend sie für den Finanzsektor wären, so positiv wären sie für die Volkswirtschaft: Keine Dominoeffekte bei Pleiten mehr, keine Systemrelevanz von aufgeblasenen Bankbilanzen. 

 

Die Konsequenz

Die Existenz der Nationalbanken dürfte in den nächsten Jahren trotz des Auftauchens von digitalen Währungen nicht zur Disposition stehen. Die Geschäftsbanken werden jedoch weiterhin unter existenziellem Druck stehen und komplett neue Geschäftsmodelle erfinden müssen, um im digitalen Umfeld eine Berechtigung beanspruchen zu können. Die klassischen Funktionen im Bereich des Sparens und der Kreditvergabe sowie beim Zahlungsverkehr sind keine genügende Grundlage mehr. Nicht ganz so düster sieht es bei der Anlageberatung aus. Allerdings wird auch dieser Kuchen kleiner. Das Massengeschäft wird durch Technologie nicht ganz automatisiert, aber sehr weitgehend unterstützt. Nur wer es schafft, eine Klientel von vermögenden Kunden umfassend und auf höchstem Niveau zu pflegen, wird weiterhin gut schlafen können. Ob das dann noch Banken oder Banker sind, ist letzten Endes eine Frage der Terminologie.

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