«Die Politik hat zu lange an die Wirtschaft geglaubt»

Hans Oette
Hans Oette

DMZ –  KULTUR ¦  Urs Heinz Aerni ¦                                      Hans Oette

 

In seinem Buch beleuchtet Hans Oette nicht nur die Zusammenhänge der Kräfte zwischen Finanzwirtschaft und gesellschaftlichen Verhältnissen, sondern zeigt Strategien auf, wie diese im Sinne einer sozialen und umweltverträglichen Zukunft gestaltet werden könnten. 

 

Urs Heinz Aerni: Ihr Buch versucht dem Lesenden aufzuzeigen, wie die Wirtschaft zerstörerisch sein kann und Handlungsbedarf besteht. Wie kamen Sie dazu?

Hans Oette: Über die Menschheit dominieren zwei globale Märkte: Der Weltmarkt und der internationale Finanzmarkt. Auf dem Weltmarkt konkurrieren Hightech-Länder die übrigen Länder an die Wand.

 

Aerni: Eigentlich ein schon länger andauernder Verlauf...

Oette: Leider. Durch ihren Exportüberschuss stürzen sie die ‚Verlierer‘ in Verschuldung, Arbeitslosigkeit und Chaos. Niedrige Löhne und Sozialstandards sind dabei für die reichen Länder hilfreich und für die armen Länder der rettende Strohhalm.

 

Aerni: Aber?

Oette: Die Finanzmärkte bedrohen immer mehr alle Länder, weil zu ihnen unaufhörlich Geld fließt, wie zum Beispiel durch Geldanlagen bei den unzähligen Fonds. Jedes Land benötigt daher Rückflüsse in Form von Investitionen. Die Investoren suchen sich die Länder aus, deren Politikkultur ihnen die beste Rendite bietet.

 

Aerni: Was verheerend für die Demokratie und Ökologie sein kann.

Oette: Korrekt. Die Finanzmärkte bestrafen daher soziale und ökologisch nachhaltige Politik in ihrer Verantwortung gegenüber Umwelt und Menschenrechte. Schon 1996 sagte der damalige Chef der Deutschen Bundesbank, Hans Tietmeyer: «Die meisten Politiker sind sich noch nicht im Klaren darüber, wie sehr sie unter der Kontrolle der Finanzmärkte stehen und sogar von diesen beherrscht werden». Eine Folge davon ist, dass weltweit 65 Millionen Menschen auf der Flucht sind. Eine weit größere Anzahl bleibt und ist dabei, mit ihrem sinkenden Schiff unterzugehen. Die Politik hat zu lange an die Regulierungskraft der Märkte geglaubt.

 

Aerni: Welchen Ansatz als Gegenmittel empfehlen Sie?

Oette: Mein Buch zeigt anhand der nationalen und internationalen Geldströme, wie sich die Menschheit aus der Herrschaft der Märkte befreien kann.

 

Aerni: Wie soll das gehen?

Oette: Rudolf Hickel, der Mitbegründer der «Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik» und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirat von Attac...

 

Aerni: ... ein in Frankfurt am Main gegründetes Bündnis und Netzwerk zur demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte.

Oette: Genau, Hickel meint zu meinem Buch: «Oettes Fazit ist gut begründet: Märkte müssen von monopolistischer Macht befreit werden und sich als entlastendes Funktionssystem in die Gesellschaft einbetten. Wer die Märkte effizient nutzen will, der braucht einen sozialen und ökologischen, demokratisch fundierte Staaten.»

Aerni: Dieser Kommentar zeigt einiges auf aber noch nicht das ganze Kontrastprogramm...

Oette: ... das nicht in wenigen Sätzen erklärt werden kann und deshalb wünsche ich eine anregende Lektüre.

 

 

Das Buch: «Im Licht der Geldströme – Aufbauende und zerstörende Geldströme» von Hans Oette, Erstauflage 2017, Verrai Verlag Stuttgart, 274 Seiten.

Hans Oette lebt heute als Vater von fünf Kindern und sieben Enkelkindern in Stuttgart. Nach dem Schachsport in der Jugendzeit studierte er im Fach Maschinenbau und Luftfahrttechnik an der Universität Stuttgart. Dann war er am Institut für Drehflügelflugzeuge tätig und erhielt den Hugo-Junkers-Preis der DFVLR und wechselte ins Lehrfach. Unter anderem lehrte er an den Berufsschulen Nürtingen und Stuttgart-Bad Cannstatt, wirkte für Audi Neckarsulm als

Berechnungssachbearbeiter auf dem Gebiet Planung und Entwicklung. Seit langem beschäftigt sich Oette mit der Ökonomik und Wirtschaftspolitik und engagierte sich für Umweltschutz sowie gesellschaftliche Werte beim Naturschutzbund NABU, Bündnis 90 die Grünen, Linke und Andere

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