Mein Strafaufsatz über die Haare

DMZ –  BLICKWINKEL ¦ Ruedi Stricker ¦                   

 

Der Lehrer hat gesagt ich muss einen Aufsatz schreiben, weil ich im Schwimmunterricht keine Badekappe hatte und wegen mir der Ablauf im Hallenbad verstopft sei. Ich darf nicht schreiben dass das Schwachsinn ist. Aber denken kann ich es ja.

 

Der Lehrer hat auch gesagt, Haare seien ein interessantes Thema. Wahrscheinlich weil sie bei ihm am falschen Ort wachsen. Unter seinem Toupet geht wahrscheinlich schon lange nichts mehr. Wobei: Er meint sicher, wir hätten keine Ahnung von seiner Perücke.

 

Wo kommen Haare vor? Also erstens auf vielen Säugetieren. Zum Beispiel auf unserem Lehrer. Die im Gesicht muss er rasieren, aber die in den Ohren und in der Nase lässt er wachsen. Wenigstens da hat er keinen Haarausfall. Zweitens auf Zähnen. Bei meinem Grosi habe ich keine gesehen, aber Papi hat gesagt, fast alle Schwiegermütter haben Haare auf den Zähnen.

 

Haare können sehr lang werden. Früher hatten Frauen lange Haare und Männer kurze. Das ist weil Männer ins Militär mussten, und mit langen Haaren verliert man den Krieg. Ich habe den Geschichtslehrer gefragt, wie lange es gehen würde, bis unser Dorfcoiffeur jedem Soldaten die Haare richtig geschnitten hätte, um in den Krieg zu ziehen. Er fand das nicht lustig.

 

Die längsten Haare hatte Rapunzel. Das ist aber schon lange her. Heute bauen sie einen Lift oder wenigstens eine Treppe. Das ist praktischer als die Kletterei. Schade ist, dass unser Lehrer nie bei Rapunzel war. Die hätte ihm sicher gesagt, wo sie den Zaubertrank für die langen Haare gekauft hat. Gratistipp im Kampf gegen den Haarausfall.

 

Letzte Woche hatten Papi und Mami Krach. Sie hat gesagt, er müsse sich jeden Tag rasieren, sonst gebe es keinen Kuss mehr. Oder nur noch auf die Glatze. Papi fand das nicht lustig und hat dann irgendetwas über ihre Schamhaare gesagt. Das habe ich aber nicht ganz verstanden, weil grad ein Lastwagen vorbeifuhr. Nachher stritten sie noch über ihren Coiffeur, übers Geld und sinnlose Kleider und lange Haare im Waschbecken.

 

Eigentlich braucht der Mensch nicht wirklich Haare. Wenn Haarausfall nämlich eine Krankheit wäre, müsste mein cooler Götti nicht arbeiten und könnte jeden Tag mit mir etwas machen. Ideen haben wir genug. Und weil der Lehrer am Schluss der Aufsätze immer noch einen speziellen Gedanken haben will: Ich bin sicher, dass ich diesen Aufsatz nur schreiben muss, weil er neidisch ist auf meine Haare. «Sublimierter Penisneid» hat Papi gesagt.

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