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DE: Wer hat vom russischen Gas profitiert?

DMZ –  POLITIK ¦ Dirk Specht ¦                                 

KOMMENTAR

 

In einigen Medien wird ein Vergleich der europäischen Gaspreise des „Centre for European Policy Studies (CEPS)“ zitiert. Demnach seien die Gaspreise in Deutschland trotz der eingegangenen hohen Lieferabhängigkeit zu Russland nicht günstiger gewesen, der „Deal“ also nicht mal ökonomisch reizvoll gewesen.

 

Die Berechnung basiert auf den Daten von Eurostat und man sollte diese Meldung besser einordnen. Zunächst ist festzustellen, dass die Preise in Deutschland gemittelt über den Zeitraum seit 2017 recht genau auf dem Durchschnittsniveau in Europa lagen. Demnach haben wir also in der Tat nicht vom „Hauslieferanten“ Russland profitiert, aber teurer war es auch nicht.

 

Das kann man aber korrekt als erstaunlich bezeichnen, denn gerade bei der besonders großen Menge für Deutschland und dieser, nennen wir es mal besonders „engen“ Kooperation dürfte man einen ökonomischen Vorteil durchaus erwarten.

 

Dazu muss man aber erwähnen, dass Eurostat hier nur die öffentlich bekannten börsennotierten Großhandelspreise für Industriekunden – ohne Steuern und Abgaben – auflisten kann. Das sollte bei der Einordnung erwähnt werden, denn daraus kann man zumindest als Indikator tatsächlich ableiten, dass ein Großteil der deutschen Industrie keinen Vorteil aus der russischen Lieferbeziehung hatte.

Wie es jedoch beim Gashandel und bei den ganz großen Verbrauchern, die teilweise auch selbst in die Deals mit Gazprom&Co involviert waren, aussieht, besagt diese Tabelle keineswegs. Deren Einkaufspreise bleiben nämlich zunächst mal unbekannt.

 

An der Stelle kann man momentan leider nur spekulieren und hoffen, dass die Aufarbeitung dieser unfassbaren Gazprom-Deals irgendwann gelingt. Dass wir also mal erfahren, wer in welcher Form persönlich oder als Unternehmen ökonomisch profitiert hat.

 

Man darf nämlich schon vermuten, dass Unternehmen wie BASF bzw. deren Tochter Wintershall, die einen der größten Deals mit Gazprom gemacht haben und die zugleich als Händler, wie als Großverbraucher agiert haben, das nicht deshalb taten, um das deutsch/russische Verhältnis zu stabilisieren.

Man darf insofern leider vermuten, dass es politische, aber definitiv auch ökonomische Profiteure gegeben hat. Was die Tabelle dabei leider untermauert und das ist die eigentliche Nachricht: Der Profit wurde keinesfalls breiter verteilt, er dürfte sich auf eher wenige Taschen fokussiert haben.

Bei der nun folgenden, sehr teuren Abwicklung dieser Deals ist das leider genau anders herum.

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