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Korrektur von Falschinformationen im Interview mit Virologe Ulf Dittmer

DMZ – WISSENSCHAFT ¦ Sarah Koller ¦    

 

In einem kürzlich geführten Interview mit der Frankfurter Rundschau äußerte sich Virologe Ulf Dittmer zu den aktuellen Entwicklungen der Erkrankungswelle im Zusammenhang mit COVID-19. Bedauerlicherweise trägt auch er dazu bei, falsche Annahmen über einen angeblichen "Nachholeffekt" oder eine "Immunschuld" zu verbreiten.

 

Diese Äußerungen stellen klare Falschinformationen dar. Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für die Existenz eines "Nachholeffekts" oder einer "Immunschuld". Tatsächlich stärkt jede Infektion, im Gegensatz zu Dittmers Aussagen, nicht das Immunsystem, sondern kann es vielmehr schwächen.

 

Es ist ebenfalls nicht korrekt, das Coronavirus ausschließlich als Auslöser von reinen Atemwegsinfektionen zu betrachten. Das Virus beeinflusst auch andere Organsysteme, und es wurden verschiedene Symptome und Komplikationen außerhalb des Atemwegssystems nachgewiesen, wie unter vielen anderen beispielsweise Geruchs- und Geschmacksverlust, Durchfall, Herzprobleme und neurologische Symptome.

 

Besonders problematisch ist auch Dittmers Argumentation, dass das Immunsystem fortlaufend durch Viren und Erreger stimuliert werden müsse, um aktiv zu bleiben. Diese Theorie steht im Widerspruch zur etablierten wissenschaftlichen Meinung, die darauf hinweist, dass Impfungen das Immunsystem gezielt stärken können, ohne eine dauerhafte Exposition gegenüber Erregern zu erfordern. Seine Behauptungen scheinen auf selektiven Studien zu beruhen und übersehen dabei den breiten Konsens unter Experten.

 

In einer Zeit, in der die Öffentlichkeit nach verlässlichen Informationen sucht, ist es entscheidend, dass Experten ihre Aussagen sorgfältig überdenken und sich auf die wissenschaftliche Evidenz stützen. Immer mehr Experten fallen durch solche Äußerungen auf und schaden damit der Gesellschaft massiv. Falsche Informationen tragen nicht nur zur Verwirrung bei, sondern können auch das Vertrauen in die Wissenschaft untergraben. Daher ist es von größter Bedeutung, dass Experten ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft ernst nehmen und ihre Äußerungen auf eine solide wissenschaftliche Grundlage stellen. 

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