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Prof. Antoine Flahault: Luftqualität als Schlüssel zur Bekämpfung von COVID-19

DMZ –  POLITIK  ¦ Anton Aeberhard ¦      

 

Mit der steigenden Anzahl von COVID-19-Fällen in den letzten Wochen wurde der Start der Impfkampagne in Frankreich vom ursprünglichen Datum am 17. Oktober auf den 2. Oktober vorgezogen. Die Frage, wie gut die Impfstoffe auf neue Varianten reagieren, steht im Mittelpunkt eines Gesprächs auf humanite.fr* mit dem renommierten Epidemiologen Prof. Antoine Flahault.

 

Die steigende Inzidenz von COVID-19 bereitet Schwierigkeiten in der Vorhersage, so der Epidemiologe Antoine Flahault. Die Anzahl der PCR-Tests ist stark gesunken, und nur etwa 1 % der Stämme werden im Vergleich zu vor zwei Jahren sequenziert. Indirekte Indikatoren wie Konsultationen bei Hausärzten oder Notaufnahmebesuche deuten jedoch auf eine starke Welle hin, vergleichbar mit den ersten Omikron-Wellen. 

 

Die Einstellung der Überwachung wird von Flahault als sinnvoll betrachtet, da die Bevölkerung nicht mehr bei jedem Symptom getestet werden würde. Er hebt die Bedeutung der Analyse von Abwässern hervor, die in Frankreich jedoch seit dem Frühjahr 2022 nicht mehr finanziert wird.

 

Flahault gibt Einblicke in die kürzlich aufgetretenen Varianten, die aufgrund geringer Test- und Sequenzierpraxis schwer zu überwachen sind. Es dominieren verschiedene Subvarianten von Omikron, insbesondere der neue Spross EG.5.1, alias Eris, und die Variante BA.2.86, alias Pirola, könnte im Winter relevanter werden.

 

Die Auffrischungsimpfung 2023 zielt darauf ab, die aktuellen Varianten der XBB-Linie zu bekämpfen. Flahault betont, dass dies die Chance verringern kann, im Herbst und Winter an COVID zu erkranken und seltener Langzeit-COVID zu entwickeln. Die Impfung wird jedoch besonders für Personen mit einem Risiko für schwere Verläufe empfohlen.

 

Die Anpassung der Impfstoffe an neue Varianten ist eine fortlaufende Herausforderung für die Hersteller, vergleichbar mit der Grippe. Flahault betont die Notwendigkeit von Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit, da bisherige Erkenntnisse auf die Produktion von neutralisierenden Antikörpern setzen.

 

Flahault unterstreicht, dass weltweit kein Mangel an Impfschutz gegen schwere Formen gemeldet wurde, unabhängig von den zirkulierenden Varianten. Ältere Menschen und immungeschwächte Personen benötigen jedoch häufiger Auffrischungsimpfungen, um ihre Immunität zu stärken.

 

Eine vollständige Ausrottung von COVID-19 ist laut Flahault unwahrscheinlich. Stattdessen könnte der Fokus darauf liegen, den Einfluss von respiratorischen Viren durch Verbesserung der Luftqualität in geschlossenen Räumen zu reduzieren. Eine bessere Belüftung, Filtration und Reinigung der Luft, insbesondere in Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen, könnten dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen.

 

 

*Humanite.fr ist die Online-Plattform der französischen Tageszeitung "L'Humanité". "L'Humanité" ist eine der ältesten Zeitungen in Frankreich und hat eine lange Geschichte.

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