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Der Wagner-Aufstand mag beendet sein, aber vielleicht ist es doch nur der Anfang eines größeren Prozesses

DMZ –  POLITIK ¦ Dirk Specht ¦                                 

KOMMENTAR 

 

Das Bild aus der NYT von einer – früheren – Inszenierung aus dem Kreml zeigt die aktuelle Situation Russlands aus meiner Sicht bestens: Ein gänzlich einsamer Putin, umgeben von strahlend aufgemachter Leere, lässt sich ausgerechnet von dem „Amtskollegen“ eines weiteren „failed state“ hofieren, dem Präsidenten des Iran.

 

Präsident Putin, der sein Volk seit Jahrzehnten um sehr viel Geld und vor allem seine Zukunft bestiehlt, derzeit „beruflich“ damit beschäftigt, den Zerfall seines korrupten Netzwerks zu überleben, lässt sich mit Präsident Raisi inszenieren, der in seinem Volk inzwischen sogar Frauen hinrichten lässt, weil schon deren Idee, sich minimale Menschenrechte anzueignen, seine Machtbasis bedroht.

 

Die NYT kommentiert die Ereignisse von gestern sehr treffend: „Die Auswirkungen eines solchen direkten Angriffs auf den Kreml, der ungestraft blieb, werden vielleicht erst in einigen Tagen oder Wochen zu spüren sein, könnten aber tief greifende Folgen für das Schicksal der Ukraine und für Russlands Ansehen in der Welt haben, da Partner wie China die Stärke von Putins Regime neu einschätzen.“

 

Interessant wird nun auch, ob es Putin weiter gelingt, seine eigene Öffentlichkeit erfolgreich zu belügen, ihr zu erklären, warum im Rahmen einer Spezialoperation gegen Nazis, die vom Westen unterstützt werden, nun eine Söldnertruppe, die es bisher gar nicht gab, auf Moskau marschiert, so dass man diese morgens verurteilen und abends begnadigen muss.

 

Dieses Regime hat die mit Bodenschätzen und sehr viel Hochkultur gesegnete Atommacht Russland endgültig in den Zustand einer Bananenrepublik überführt. Das ist keinerlei Grund zur Freude. Dieser taumelnde Riese mit einer der mächtigsten Atomstreitkräfte, offensichtlich ansonsten auch militärisch keine relevante Größe mehr, mit so vielen Pulverfässern entlang seiner Grenzen, beschäftigt die Welt weit mehr, als ihm eigentlich zukommt.

 

Hoffentlich sieht das auch ein anderer Präsident aus einer wirklich relevanten Größe so: Ob Xi klug genug ist, die letztlich zwingenden dysfunktionalen Prozesse einer auf eine Person zentralisierten Autokratie sowie den zersetzenden Charakter von stumpfem Nationalismus zu erkennen? Die Folgen dieser Warlord-Episode, die in Game of Thrones einen Platz hätte haben können, sind in Russland, aber auch bei seinen verbliebenen Unterstützern noch gar nicht absehbar.

 

Aber so weit müssen wir nicht blicken, denn auch in Deutschland sind die vielen politischen und wirtschaftlichen Freunde dieses Regimes bekanntlich immer noch nicht zum schweigen gekommen. Von den Wagenknecht-Kreisen über die AfD bis tief in die Gasnetzwerke und deren Seilschaften in SPD sowie auch Union wirken viele davon weiter, politisch und ökonomisch.

 

Zu unseren Hausaufgaben zählt immer noch, das aufzuräumen. Auch wir sollten dieses Bild wahrnehmen! Der Herr Präsident zur Rechten hat mit seinen Fähigkeiten, Netzwerke zu flechten und zu finanzieren auch unser Land durchzogen. Das ist noch längst nicht in der Form aufgearbeitet, die erforderlich wäre!

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