Das Stanford Prison Experiment

DMZ – HISTORISCHES ¦ Marko Kovic ¦     

GASTKOMMENTAR 

 

Das Stanford Prison Experiment ist das wohl berühmteste psychologische Experiment aller Zeiten. Es soll zeigen, dass Menschen je nach Kontext schnell brutal und sadistisch werden.

Das Experiment war in Wahrheit ein grosser pseudowissenschaftlicher Betrug.

 

Das Experiment wurde 1971 an der Universität Stanford durchgeführt. Die Versuchsanlage war simpel: Zwei Wochen lang sollte eine Gefängnisumgebung simuliert werden. 21 Probanden wurden als Insassen oder als Wärter eingeteilt.

 

Mit dem Experiment sollte geprüft werden, ob Menschen allein dadurch, dass sie Macht über andere Menschen erhalten, diese missbrauchen. Die Ergebnisse waren schockierend: Die Wärter wurden praktisch über Nacht zu sadistischen Monstern.

 

Am Morgen des 2. Tages begannen die Insassen einen “Aufstand”: Sie verbarrikadierten sich in ihren Zellen. Die Wärter griffen rigoros durch; u.a. besprühten sie die Insassen mit Feuerlöschern, deren eiskaltes CO2 gefährlich für die Haut sein kann.

 

Nach dem “Aufstand” intensivierten die Wärter den psychologischen und körperlichen Missbrauch der Insassen. Z.B. durften diese nicht mehr Toiletten benutzen, sondern nur Eimer in den Zellen, die sie sich teilten. Mehrere Insassen brachen zusammen und weinten unkontrollierbar.

 

Der Missbrauch eskalierte weiter. Nachdem eine externe Psychologin das Experiment besuchte und ob der Zustände schockiert war, wurde das Experiment abgebrochen. Es dauerte nur 6 anstatt 14 Tage.

Das Experiment gilt bis heute als klassischer Beleg dafür, dass Menschen situativ zu Machtmissbrauch neigen - das Böse ist banal und omnipräsent. Das Experiment wurde in ethischer Hinsicht kritisiert, galt lange aber als wissenschaftlich valide. Das änderte sich erst 2018.

 

Der Sozialwissenschaftler Thibault Le Texier untersuchte neues Archivmaterial und interviewte Probanden. Das Ergebnis: “Histoire d’un mensonge”, “Geschichte einer Lüge” - es war alles ein grosser Fake. 2019 fasste er die Ergebnisse als Paper zusammen.

Philip Zimbardo, der Psychologe hinter dem Experiment, erklärte den Wärter-Probanden ganz explizit, wie sich sich zu verhalten haben - und, was das Ergebnis des “Experiments” sein soll. Die Wärter wurden nicht spontan sadistisch und brutal. Sie spielten eine Rolle.

 

Auch während des “Experiments” intervenierten Zimbardo und seine Assistenten und gaben den Wärtern Anleitungen, wie sie sich möglichst sadistisch zu verhalten haben.

 

Die Insassen wussten ebenfalls, was beim Experiment erwartet wird und wie sie sich verhalten sollen. Die Verzweiflung, die Unterwürfigkeit, die Resignation: Weitgehend nur Schauspiel gemäss implizitem Drehbuch.

Zimbardo erlaubte den Insasse-Probanden nicht, das “Experiment” sofort abzubrechen. Ein Proband hatte keine Lust mehr und spielte darum einen Nervenzusammenbruch vor - den Zimbardo später als realen Zusammenbruch und damit als Teil der spektakulären Geschichte verkaufte.

 

tl;dr: Das Stanford Prison Experiment ist fast lächerlich absurde Junk Science: Ein vom Forscher bewusst inszeniertes Theater, das in keiner Weise etwas mit Wissenschaft zu tun hat. Warum hält sich der Mythos bis heute?

 

Das Stanford Prison Experiment suggeriert, dass Menschen kontextbedingt quasi automatisiert Schlechtes tun. Das ist vielleicht beruhigender als die Alternative: Wenn Menschen Schlechtes tun, tun sie dies wissentlich und in der aktiven Überzeugung, moralisch richtig zu liegen.

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