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Studie: Warum Menschen Infektionskrankheiten verheimlichen

DMZ – WISSENSCHAFT ¦ Anton Aeberhard ¦

 

Eine aktuelle Studie der University of Michigan, veröffentlicht in der Zeitschrift Psychological Science der Association for Psychological Science, wirft ein grelles Licht auf das verborgene Phänomen des Krankheitsverheimlichens. Die Untersuchung, durchgeführt von Wilson N. Merrell, Soyeon Choi und Joshua M. Ackerman, offenbart die Beweggründe und das Ausmaß, in dem Menschen ihre infektiösen Krankheiten vor anderen verbergen.

 

Über 4.100 Teilnehmer aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen, darunter Gesundheitspersonal, Universitätsstudenten und Online-Arbeitskräfte, wurden in 10 Studien zu vergangenen, aktuellen und projizierten Krankheiten befragt. Das Ergebnis: etwa 75% gaben an, ihre Krankheiten in zwischenmenschlichen Interaktionen verheimlicht zu haben oder es in Zukunft zu tun. Dabei riskieren sie, andere zu gefährden, indem sie soziale und berufliche Verpflichtungen trotz ihrer Krankheit wahrnehmen.

 

Besonders alarmierend ist, dass mehr als 61% des Gesundheitspersonals angaben, ihre Krankheit verheimlicht zu haben. Die Ergebnisse zeigen eine Diskrepanz zwischen dem, was Menschen glauben, wie sie handeln würden, wenn sie krank wären, und ihrem tatsächlichen Verhalten. Gesunde Menschen erwarteten, dass sie wahrscheinlich keine schwerwiegenden Krankheiten verbergen würden, während aktiv Kranke unabhängig von der Schwere ihrer Erkrankung oft angaben, sie zu verheimlichen.

 

Die Studie offenbart, dass Menschen Krankheiten verbergen, um ihre Arbeit, Reisen oder soziale Ereignisse nicht zu verpassen. Einige Teilnehmer berichteten, während sie krank waren, Flugzeuge zu besteigen, Verabredungen zu treffen und andere soziale Interaktionen zu haben, ohne dass ihre Krankheit bekannt war.

 

In einer der Studien bewerteten die Teilnehmer, wie oft sie Symptome einer infektiösen Krankheit verdeckt hatten. Viele gaben an, ihre Krankheit verheimlicht zu haben, weil sie mit sozialen Plänen kollidierte, während ein kleiner Prozentsatz institutionellen Druck (z. B. fehlende bezahlte Freistellung) als Grund angab. Interessanterweise zeigten nur wenige Teilnehmer eine Verheimlichung bei einer COVID-19-Infektion.

 

In einer anderen Studie wurden die Teilnehmer gebeten, sich vorzustellen, moderat oder schwer krank zu sein, während sie sich in einer sozialen Situation befanden. Sie waren am ehesten geneigt, ihre Krankheit zu verbergen, wenn die Symptomatik gering war, und am wenigsten geneigt, wenn die Symptome schwerwiegend und hoch ansteckend waren.

Die Forscher weisen darauf hin, dass die COVID-19-Krise das Verhalten der Teilnehmer beeinflusst haben könnte. Zukünftige Forschung könnte untersuchen, wie ökologische Faktoren (z. B. Pandemien) und medizinische Fortschritte wie Impfungen das krankheitsbezogene Verhalten der Menschen beeinflussen.

 

Insgesamt weist die Studie auf bedeutende öffentliche Gesundheitsimplikationen hin, indem sie die Motivationen und Kompromisse aufzeigt, die wir in sozialen Interaktionen eingehen, wenn wir krank sind. Lösungen für das Problem der Krankheitsverheimlichung müssen möglicherweise über individuelle Wohltätigkeit hinausgehen, so die Forscher.

 

 

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