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Herausforderungen und Perspektiven im Ukrainekrieg: Eine Analyse von Gustav Gressel

DMZ –  POLITIK  ¦ Anton Aeberhard ¦      

 

In seinem Artikel "What it takes to win the long war" beschreibt Gustav Gressel die gegenwärtige Kriegssituation zwischen Russland und der Ukraine als einen Krieg der Erosion, in dem Russland aufgrund seiner Rüstungsprognosen als möglicher Sieger hervorgeht.

 

Der Fokus liegt auf der Notwendigkeit für die Ukraine, von einer Erosionskriegsführung zu einer beweglichen Kriegsführung überzugehen, um ihre Kriegsziele zu erreichen. Westliche Unterstützung in Form von Waffenlieferungen und Verteidigungsmaßnahmen wird als unzureichend betrachtet, und Gressel betont die entscheidende Rolle einer umfassenden Finanz- und Verteidigungsindustrieanstrengung in Europa.

 

Krieg der Erosion und Notwendigkeit der Beweglichkeit

Gressel beschreibt den Konflikt als einen Krieg der Erosion, in dem Russland aufgrund seiner schnelleren Rüstungsproduktion als wahrscheinlicher Sieger erscheint. Die Ukraine wird aufgefordert, von einer statischen Verteidigungsstrategie zu einer beweglichen Kriegsführung überzugehen. Eine rein defensive Haltung reicht nicht aus, um die strategischen Ergebnisse zu erzielen, die die Ukraine benötigt.

 

Westliche Uneinigkeit und Schwächen der ukrainischen Armee

Der Artikel hebt die politischen und gesellschaftlichen Überlegungen der Ukraine hervor, die auf eine entscheidende Beendigung des Krieges abzielen. Gressel betont, dass die westlichen Länder, insbesondere Europa, ihre Ziele und Strategien in Bezug auf die Ukraine nicht einheitlich festlegen. Die militärische Situation der Ukraine wird als schwierig beschrieben, insbesondere aufgrund von Schwächen in der Koordination und Ausbildung neuer Einheiten.

 

Finanzielle Regeländerungen und verstärkte Produktion

Gressel fordert eine Überarbeitung der finanziellen Regelungen in Europa, um die Produktion von entscheidenden Kriegsressourcen wie Drohnen, Munition und gepanzerten Kampffahrzeugen drastisch zu steigern. Er betont, dass die Unterstützung nicht auf überschüssigen Beständen basieren sollte, sondern auf einer kontinuierlichen und verstärkten Produktion.

 

Herausforderungen in der Munitionsproduktion

Ein zentrales Problem im Krieg ist der Mangel an Munition. Insbesondere wird auf den Bedarf an 155-mm-Artillerieschalen, 120-mm-Mörsern, 122-mm- und 152-mm-Geschützen sowie 227-mm-Raketen für Mehrfachraketenwerfersysteme hingewiesen. Die Beschleunigung der Munitionsherstellung gestaltet sich als Herausforderung, unter anderem aufgrund von Finanzierungsproblemen und politischen Differenzen.

 

Luftabwehr und moderne Landfahrzeuge

Die Luftabwehr wird als entscheidend für den Ausgang des Konflikts betrachtet, und Gressel weist auf den akuten Mangel an Luftabwehrsystemen und Munition hin. Die Lieferung von Bodenfahrzeugen, insbesondere modernen Modellen, erfolgt langsam. Die Zusammenarbeit zwischen der Ukraine und dem Westen in der Verteidigungsindustrie, insbesondere bei Reparatur- und Wartungsarbeiten, wird als entscheidend erachtet.

 

Die Rolle von Drohnen und zukünftige Herausforderungen

Der Artikel betont die entscheidende Rolle von Drohnen im Konflikt und hebt den Vorteil der Ukraine in ihrer Nutzung hervor. Eine effiziente Innovationsstrategie, insbesondere in Bezug auf künstliche Intelligenz, wird als Schlüssel für die Wiederaufnahme von Manöverkriegen in der Ukraine betrachtet.

 

Schlussfolgerung und Perspektiven

Zusammenfassend fordert Gressel eine umfassende Strategie und Vision für das Kriegsende von Seiten der EU, um eine koordinierte Anstrengung sicherzustellen. Er schlägt Maßnahmen vor, die von einer verstärkten Munitionsproduktion über verbesserte Verteidigungsindustriekooperationen bis hin zu finanziellen Regeländerungen reichen. Gressel betont die Bedeutung einer einheitlichen Anstrengung, um eine erfolgreiche Strategie für den Sieg im Langzeitkrieg zu entwickeln.

 

 

Über den Autor

Gustav Gressel ist Senior Policy Fellow im Programm "Wider Europe" am Berliner Büro des European Council on Foreign Relations (ECFR). Vor seinem Eintritt beim ECFR arbeitete Gressel als Referent für internationale Sicherheitspolitik und Strategie im Büro für Sicherheitspolitik des österreichischen Verteidigungsministeriums sowie als Forschungsstipendiat des Kommissariats für Strategische Studien des österreichischen Verteidigungsministeriums. Zudem diente er fünf Jahre in den österreichischen Streitkräften.

 

Der Autor ergänzt zu seiner Arbeit, dass die vorliegende Analyse maßgeblich durch eine Forschungsreise der ECFR (European Council on Foreign Relations) in die Ukraine im Sommer 2023 beeinflusst wurde. Im Zentrum stehen dabei Reflektionen aus Interviews mit ukrainischen Amtsträgern, Freiwilligen, Journalisten und Experten sowie von internationalen Partnern, die Unterstützung für die ukrainischen Streitkräfte bieten. Der Autor schätzt die Offenheit und Bereitschaft der Gesprächspartner, ihre Perspektiven zu teilen. Es ist zu beachten, dass diese Interviews eine begrenzte, selektive Sicht auf die vielfältigen Aspekte eines andauernden Krieges bieten und daher durch zusätzliche Quellen ergänzt werden müssen.

 

Insbesondere bieten die ukrainischen Perspektiven wertvolle Einblicke in das Verständnis des Verhaltens und des aktuellen Status des Krieges vor Ort. Der Autor dankt zudem der ukrainischen Botschaft in Berlin für ihre Unterstützung bei Gesprächen mit Ministern und Beamten, die Deutschland besuchen. Anerkennung gebührt auch Mattia Nelles vom International Center for Ukrainian Victory und Stepan Rusyn vom Transatlantic Dialogue Center, die den Autor bei Gesprächen mit Veteranen, Militärvertretern und Experten unterstützt haben. Diese Hintergrundinformationen sind entscheidend, um die Tiefe und den Kontext des Artikels zu verstehen.

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