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Der Bitcoin ist keine Reserve oder Krisenschutz, sondern ein Vehikel für Freunde von Trendinvests

DMZ –  POLITIK ¦ Dirk Specht ¦              

KOMMENTAR

 

Als Finanzmathematiker wundere ich mich, was über den Bitcoin geschrieben wird. Angeblich könne der nur steigen, weil er endlich ist und er eigne sich bestens als Reserve oder Krisenschutz. Manche sehen immer noch eine Währungsalternative.

Richtig ist, dass es ein sehr spannendes, typisch libertäres Projekt ist, bei dem es so basisdemokratisch klingt, aber dann doch ein Spiel der Kräfte wird, bei dem die stärkeren dominieren.

 

Spieltheoretisch wird die Sache mit der Endlichkeit etwas ganz anderes generieren: Das wird nämlich entweder wie alle meinen zu einer Wertsteigerung führen oder es passiert genau das Gegenteil. Da die stärksten Kräfte nämlich keine Stabilität, sondern eine Wertsteigerung beabsichtigen, kann das sehr wohl kippen, wenn diese Erwartung nicht mehr erfüllt wird und deren Interesse dann ein Ausstieg plus anschließendem Wiederanstieg ist. Insofern wäre meine Analyse: Der wird weiter schwanken, vielleicht noch viel stärker, wobei es wohl in sehr langen Rhythmen passiert, wie bisher.

 

Das beigefügte Bild ist daher realistischer als die momentan dominierenden mit dem jüngsten Anstieg. Wenn nun auf so einen engen Markt ausgerechnet Vehikel wie ETFs gelegt werden, wird sich der Effekt sehr wahrscheinlich verstärken. Das war bereits zu erwarten, als die Finanzindustrie den Bitcoin für sich entdeckte.

 

Nicht falsch verstehen, das ist ein spannendes Projekt. Als die Finanzindustrie es entdeckte, habe ich selbst investiert, weil alles weitere absehbar war. Das ist aber ein Vehikel für Freunde von Trendinvestments mit der Bereitschaft, regelmäßig ein- und auszusteigen.

Gerade deshalb ist es weder als Krisenschutz, noch als Reserve geeignet – als Währungsersatz erst recht nicht. Das gilt allenfalls für Länder mit sehr schwachen, unsicheren Währungen, aber auch für deren Anleger sollten die Schwankungen nicht zu groß werden.

 

Dass jetzt die Finanzindustrie aktiv dafür wirbt, ist übrigens kein Widerspruch zu meiner These. Es wird wahrscheinlich dabei bleiben, dass sehr wenige tiefe Taschen besonders profitieren und „der Schwarm“ gut beraten ist, denen zu folgen. Wer das nicht will, kann andere Investments bevorzugen. Bei Aktien beispielsweise setzt sich trotz auch dort aktiver tiefer Taschen letztlich immer die reale Entwicklung durch. Auch hier kann man Trendinvestments betreiben, aber diese Trends oszillieren nur um die realen makroökonomischen und die konkreten Unternehmensdaten.

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