CH: Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg: Budgetüberschreitung um 38 Millionen Franken wirft Fragen auf

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DMZ –  ARBEITSWELT ¦ Anton Aeberhard ¦ © Staat Freiburg

KOMMENTAR

 

Der Umbau der Kantons- und Universitätsbibliothek (KUB) in Freiburg, der vor sechs Jahren mit unverständlicher und überwältigender Zustimmung der Bevölkerung begonnen wurde, steht nun vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Ursprünglich mit einem astronomisch überhöhten Budget von 86 Millionen Franken gestartet, hat der Staatsrat nun einen Zusatzkredit von 38 Millionen Franken beim Großen Rat beantragt. Dies entspricht fast 50 Prozent Mehrkosten im Vergleich zum ursprünglichen Budget. Die Planung und die offensichtliche Überforderung der Verantwortlichen sind untragbar und werden auf dem Buckel der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler ausgetragen.

 

Bereits im Frühling 2022 wurde klar, dass das Budget nicht ausreichen würde, um die Unwägbarkeiten beim Umbau des über 100-jährigen Gebäudes zu bewältigen. Ein ähnliches Vorgehen stellte man bereits beim Bau der völlig überteuerten Poyabrücke fest. Die jüngsten Entwicklungen erinnern nämlich stark an die Vorkommnisse von 2006, als der Bevölkerung bei der Volksabstimmung ein Kredit von 120 Millionen Franken für den Bau der Poyabrücke präsentiert wurde. Die letztendliche Gesamtrechnung belief sich dann jedoch auf über 211 Millionen Franken. Als Reaktion darauf setzte der Große Rat eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) ein, um die Ursachen für diese erhebliche Kostendifferenz zu klären.

 

Die PUK identifizierte den Hauptgrund für die Kostendifferenz im damaligen Zeitdruck vor der Volksabstimmung von 2006. Der Baubeginn musste bis Ende 2008 erfolgen, um Bundeszuschüsse zu erhalten. Dieser Druck führte dazu, dass ein unvollständiges Vorprojekt der Bevölkerung und dem Bund vorgelegt wurde, bei dem insbesondere die Kostenrechnung nicht abgeschlossen war. Die Konsequenzen dieser 'chaotischen Organisation' mussten einmal mehr von der Freiburger Bevölkerung getragen werden.

 

Diesmal erwies sich die historische Bausubstanz als problematischer als erwartet, und unvorhergesehene Umzüge führten zu erheblichen Lagerkosten – alles Aspekte, die bei einer seriösen Planung berücksichtigt werden könnten. Trotz einer externen Untersuchung und Analyse durch das Finanzinspektorat werden die Gesamtkosten des Projekts nun voraussichtlich über 120 Millionen Franken betragen. Mehrere Faktoren tragen zu den Mehrkosten bei, darunter die Komplexität einiger Arbeiten, Baustellenrisiken, Sicherheitsmaßnahmen und Nachbarschaftseinschränkungen. Eine zu niedrige Schätzung im Kostenvoranschlag vor zehn Jahren und zusätzliche Kosten für Wartungsarbeiten, Projektanpassungen und umweltfreundlichere Maßnahmen tragen ebenfalls dazu bei. Wie immer übernimmt niemand Verantwortung – untragbar.

 

Diese erhebliche Budgetüberschreitung wirft nicht nur Fragen zur Budgetplanung und -kontrolle auf. Es ist bedauerlich, dass solche Überschreitungen offenbar eine gewisse Tradition im Kanton Freiburg haben, ohne bisher unterbunden worden zu sein. Die Tatsache, dass fast 50 Prozent Mehrkosten entstehen, verdeutlicht die Notwendigkeit, solche Projekte genauer zu planen und Risiken angemessen zu berücksichtigen. Es bleibt zu hoffen, dass nicht erst in Zukunft effektivere Maßnahmen ergriffen werden, um solche finanziellen Unregelmäßigkeiten zu verhindern und das Vertrauen der Öffentlichkeit in solche Projekte wiederherzustellen, sondern dass jetzt gehandelt wird.

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