Kobalt und kein Ende – jetzt also Neodym

DMZ –  POLITIK ¦ Dirk Specht ¦                                 

KOMMENTAR

 

Typische Desinformation, die bei mangelnder journalistischer Sorgfalt auch noch multipliziert wird. Diesen mehr als bescheidenen Artikel beobachte ich nun seit einigen Tagen, anfangs stand da sogar was von „chinesischen Windrädern“, die außerhalb Chinas bisher kaum eine Rolle spielen. Ein wenig Kuratierung scheinen erste Leser erreicht zu haben.

 

Das erinnert sehr an die vielen Narrative über Rohstoffe oder Schadstoffe (die „F-Gase“ machen gerade auch die Runde!) in diversen neuen Technologien, von E-Autos bis zu Windkraftanlagen. Kobalt und kein Ende könnte man es nennen.

 

Hier nun also Neodym, zählt zu Seltenen Erden, wird primär in China abgebaut, obwohl es weder selten, noch auf China begrenzt ist. Wie alle Seltenen Erden. Der Abbau in China ist eine Sauerei, dieses Mal geht es nicht um Kinderarbeit im Kongo, sondern um die Strahlenbelastung der Arbeiter in China.

 

Nun kann man bei solchen Geschichten die vielen Umweltschäden, Schadstoffrisiken und Arbeitsbedingungen zurecht zum Thema machen. Passiert auch mehr als ausführlich. Was haben wir alles über die Kinder im Kongo gelesen oder hier die Arbeiter in China.

 

Entsprechend könnte man nicht nur, nein man müsste die Gesamtnutzung der fraglichen Stoffe recherchieren, das alles entsprechend einordnen und damit die Frage stellen, wie man diese Missstände reduzieren oder abstellen könnte.

 

Passiert aber nie. Statt dessen wird das in irgendeine Anti-Geschichten gedreht, mal sind es die E-Autos, mal die PV-Panel oder hier die Windkraftanlagen. Das bleibt dann hängen und man darf wohl zurecht die Vermutung äußern, dass die Intention weder die Kinder im Kongo oder die Arbeiter in China sind, sondern eben diese Dehnung gegen welche Produkte auch immer.

 

Zum Neodym habe ich eine Studie von 2018 in Erinnerung, die zum Ergebnis kam, dass Windenergieanlagen davon 0,4% der Jahresproduktion verbrauchen. Da das Zeug teuer ist und die Lieferketten unsicher sind, haben die meisten Hersteller das aber ohnehin schon längst substituiert. Wenn ich in 2023 so einen Mist lese, bis in den zitierten Artikel von „Radioökologen“, die wiederum irgendwelche Studien von 2016 über Windkraftanlagen zitieren, von denen sie offensichtlich keinerlei Ahnung haben, wenn da etwas von 3GW-Anlagen steht und wilde Rechnerei folgt, so weiß ich in einer Recherchezeit unter 30 Sekunden, was das alles wert ist: Gar nichts!

 

Ich sehe es nicht ein, die alte Studie heraus zu suchen oder gar zu recherchieren, wer heute überhaupt noch Neodym in WKA verwendet und welcher Weltmarktanteil das ist. Niemand muss einem Wissenschaftsjournalisten der FAZ den Hintern abwischen, das darf der selbst machen, um seinen Beitrag zu untermauern.

 

Die traurige Wahrheit bei all diesen Roh- und Schadstoffen ist bei sachgerechter Analyse vor allem im Trend immer dieselbe: Es sind gerade die gerne prominent mit vielen KG Verbrauch an den Pranger gestellten großindustriellen Anlagen, bei denen solche Probleme am schnellsten gelöst werden. Wer bei einer mehrere Millionen teuren WKA so einen kritischen Rohstoff substituieren kann, hat sofort einen hohen Kosten- und Wettbewerbsvorteil. Diese Märkte reagieren schnell. Die breiten Konsummärkte, wo in vielen Millionen sinnfreie herumlungernden Kopfhörern, Lautsprechern und welchem Elektroüberfluss auch immer ein paar Gramm von dem Zeug schlummern, reagieren leider viel träger. Da lohnt die Substitution kaum, das sind industriell hoch skalierte Produkte, bei denen der Rohstoff pro Stück im Centbereich liegt, die Umstellung der Produktion aber sehr teuer wird.

 

Hier sind wir wieder beim Grundsätzlichen, Märkte und Regulierung, hier lauern sie, die „unbequemen“ Themen. Keine Frage, Rohstoffe, Schadstoffe etc. müssen bei allen Produkten hinterfragt werden, da ist keine Windkraftanlage sakrosankt, der völlig überflüssige fünfte in irgendeiner Schublade herumlungernde Kopfhörer aber auch nicht. Das muss alles zugleich auf den Tisch und dann ist zu bewerten, welche Anteile wo genutzt werden, was wir uns davon erlauben wollen und was nicht. Vielleicht sollten wir dabei die Frage nicht scheuen, dass wir nicht alles konsumieren müssen, nur, weil wir es konsumieren können.

 

Betrachtet man es aus der Perspektive, wird man in der Tat feststellen, dass gerade bei großtechnischen Anlagen „der Markt“ oft recht gut zu vernünftigen Lösungen führt, während der breite Konsumentenmarkt das nicht leistet. Das führt zu der Feststellung, die viele nicht gerne hören: In diesen Märkten führen lautet die effiziente Lösung sehr oft: Verbote!

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