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Der Überlebenskampf in Nordsyrien: Weltgemeinschaft schweigt zu eskalierender humanitärer Krise

DMZ –  INTERNATIONAL ¦ Sarah Koller ¦                  

KOMMENTAR

 

Der Krieg in Nordsyrien eskaliert, und die Weltgemeinschaft scheint die schrecklichen Auswirkungen weitgehend zu ignorieren. Seit Tagen bombardiert die Türkei diese Region, und die zivilen Einrichtungen sind massiv gefährdet. Die Organisation medico ist vor Ort, um Hilfe zu leisten.

 

In Rojava, im Norden Syriens, liegt die Macht nicht in den Händen des syrischen Führers Baschar al-Assad, sondern in einem selbstverwalteten System. Hier haben Kurdinnen und Kurden, Araber, Christen und Jesiden gemeinsam ein System aufgebaut, das auf Prinzipien der Basisdemokratie, Geschlechtergerechtigkeit und Ökologie beruht. Die türkische Regierung betrachtet dieses Projekt jedoch als eine Fortsetzung der PKK, einer kurdischen militanten Gruppe. Nach Meinung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan stellt diese Selbstverwaltung eine 'terroristische Bedrohung' dar.

 

Als Reaktion auf diese wahrgenommene Bedrohung greift das NATO-Mitglied Türkei nun zu dem, was man nur als staatlich geförderten Terrorismus bezeichnen kann. Die Menschen in Nordsyrien und die kurdischen Milizen YPG und YPJ, die einst weltweit als Bollwerk gegen den Extremismus des IS gefeiert wurden, sind die Leidtragenden. Westliche Regierungen schauen Erdoğans Kriegsverbrechen größtenteils tatenlos zu.

 

In Nordsyrien erlebt die Zivilbevölkerung seit Tagen einen beispiellosen Albtraum. Die Türkei führt gezielte Angriffe auf die zivilen Einrichtungen in der Region durch und zerstört damit die Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort. In kürzester Zeit wurden über 145 Ziele in verschiedenen Städten getroffen. Diese Angriffe haben bereits Dutzende Menschenleben gefordert und eine Zerstörung von 80 Prozent der zivilen Infrastruktur zur Folge. Krankenhäuser, Schulen, Wasserversorgung, Stromversorgung, Ölfelder und Fabriken sind betroffen.

 

Die Türkei verwendet verschiedene Mittel, um ihre Angriffe durchzuführen, darunter Drohnen, Bomben aus Kampfflugzeugen und Artilleriebeschuss. Die Konsequenzen dieser Angriffe sind verheerend, und Hunderttausende Menschen sind ohne Strom und Wasser. Besonders besorgniserregend ist die Zerstörung des Corona-Krankenhauses in Dêrik, das eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie in der Region spielte. Doch nicht nur Gesundheitseinrichtungen sind betroffen, auch die Strom- und Wasserversorgung ist massiv beeinträchtigt.

 

Die Menschen in Nordsyrien stehen vor einer schrecklichen Wintersaison, und angesichts des Ausmaßes der Zerstörungen durch die fortgesetzten Angriffe stellt sich die Frage, wie ein Überleben in dieser Region überhaupt möglich sein soll. Es droht ein Exodus.

 

Der Krieg in Nordsyrien, der von der Türkei geführt wird, verstößt eindeutig gegen das Völkerrecht. Die Türkei rechtfertigt diese Angriffe mit Bezug auf einen PKK-Anschlag in Ankara, bei dem angeblich einer der Täter aus Nordostsyrien stammte. Doch selbst wenn diese Anschuldigungen zutreffen, rechtfertigen sie nicht die Zerstörung von zivilen Einrichtungen und die Gefährdung der Zivilbevölkerung. Dies ist nicht das erste Mal, dass die Türkei solche Angriffe durchführt, und die Menschen vor Ort leiden bereits unter den Folgen der vorherigen Zerstörungen. Die humanitäre Lage ist äußerst prekär, und die Versorgungssituation ist äußerst schlecht.

 

Die Organisation medico ist vor Ort aktiv, um den Menschen in Nordsyrien zu helfen. Trotz der großen Gefahr setzen sie sich unermüdlich für die Versorgung der Verletzten und Betroffenen ein. Doch die Situation ist äußerst gefährlich, und unsere Partnerorganisationen sind selbst in Lebensgefahr.

Es ist an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft auf diese Eskalation des Konflikts in Nordsyrien reagiert. Bisher gab es jedoch nur wenige öffentliche Verurteilungen der Angriffe von führenden Politiker:innen, und die Medienberichterstattung über diese Krise ist äußerst begrenzt. Die Menschen in Nordsyrien brauchen dringend internationale Unterstützung, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern.

 

Dieser Konflikt darf nicht länger ignoriert werden, und die internationale Gemeinschaft muss dringend handeln, um die Menschen vor weiterem Leid zu schützen. Es ist an der Zeit, in Verteidigung der Zivilbevölkerung einzuschreiten und die Menschenrechte zu verteidigen.

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