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Sehen wir bereits die Marginalisierung Europas

DMZ –  INTERNATIONAL ¦ Dirk Specht ¦                    

KOMMENTAR

 

Ich hatte hier mehrfach zu der polarisierten Debatte „China/USA“ berichtet, die sich zwischen den Thesen vom Untergang „des Westens“ und dem Chinas bewegt. Hier wird ein alter Systemkonflikt mehr aufgewärmt, der bei vertieften Debatten dann die weiteren Vehikel wie der Streit um die Nato, den Ukraine-Krieg oder die neue geopolitische „Weltordnung“ dreht, die mal in den BRICS oder „im Westen“ alle Macht der Zukunft sieht.

 

Meine These ist schon länger, dass wir vor einer Marginalisierung Europas stehen, vielleicht bereits den Beginn erleben. Ich halte es für fast schon zwingend, dass die ökonomische und geopolitische Rolle der USA durch China so etwas wie Wettbewerb bekommt. Die meisten reden von einem Duopol oder von einer multipolaren neuen Ordnung. Wir werden sehen, ob China die Kraft hat, sich so weit zu entwickeln, ob also wirklich irgendwann von einem Duopol zu reden sein wird.

 

Was aus europäischer Sicht aber viel zu kurz kommt, ist die Frage, ob es „den Westen“ überhaupt noch gibt oder geben wird. Bereits unter Obama haben die USA ihre geopolitische Rolle geändert und mit Trump hat sich das beschleunigt. Die Folgen sind zahlreich, sie reichen von dem militärischen Rückzug in vielen insbesondere für Europa relevanten Regionen Asiens und Afrikas – genau die Regionen mit dem größten Migrationsdruck Europa betreffend. Dort sitzen nun Chinesen und Russen.

 

Ökonomisch hatte zuletzt Obama noch die Politik verfolgt, Freihandelsabkommen gegen China zu bündeln, da spielte die EU entsprechend eine größere Rolle. Trump hat das mit „America first“ gründlich geändert und man kann bei Biden erkennen, dass er es nicht wesentlich anders macht. Militärisch ist seine Administration offensichtlich bereit, den russischen Druck zumindest auf das Zentrum Europa nicht hinzunehmen, aber die Republikaner würden selbst das nicht so sehen.

 

Sowohl militärisch als auch ökonomisch sollte Europa sich insofern nicht die Frage stellen, ob „der Westen“ seine Rolle auf dem Planeten halten kann, sondern ob es den überhaupt noch gibt und falls nicht: Welche geopolitische und ökonomische Strategie folgt daraus?

 

Anbei eine Menge Lesestoff dazu, auch in den jeweiligen Beiträgen verlinkt. Die sind teilweise mehr als ein Jahr alt, aber leider aktueller denn je. Anlass für das Update ist das beigefügte Chart zum Volumen des Euros im SWIFT-System. Das ist im laufenden Jahr dramatisch gefallen!

 

Während viele immer noch vom Bedeutungsverlust des Dollars reden, der sich schlicht in keiner Statistik nachweisen lässt und weiter mit großem Abstand die dominierende Währung bleibt, findet sich zunehmend der Bedeutungsverlust des Euros. Es sieht so aus, dass sich BRICS in der Tat etwas ausweitet, aber keineswegs zulasten des Dollars, der sogar eher noch etwas dominanter wird, aber zulasten des Euros, der kurz nach seiner Einführung sogar mal das Potenzial hatte, sich neben dem Dollar zu etablieren.

 

Das ist bereits Geschichte. Die Rolle der Währungen als Indikator für die ökonomische und geopolitische Bedeutung von Regionen sollte niemand unterschätzen. Hier geht es auch nicht um theoretische Macht, sondern um knallharte ökonomische Vorteile, die weit in die Volkswirtschaften hinein wirken.

Diese Entwicklung betrifft uns alle – und nur eine viel stärkere, gemeinsame sowie strategisch funktionierende EU kann dieses Bild ändern. Das Projekt „Europa“ ist in einer Krise und es wird politisch überall angegriffen, statt es zu stärken!

 

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