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Post-Covid-Patienten verdienen Mitgefühl und Unterstützung: Ein Blick auf die Debatte um finanzielle Hilfe

DMZ –  GESUNDHEIT / WISSEN ¦ Sarah Koller ¦ 

 

In dem Artikel "Mehr Geld für Post-Covid: Populismus und ein Rückschritt für die Medizin" von Werner Bartens wird die Entscheidung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zur finanziellen Unterstützung von Patienten mit Post-Covid kritisch beleuchtet.

 

Der Autor argumentiert, dass die Bereitstellung von 40 Millionen Euro (und möglicherweise sogar 100 Millionen Euro) für Post-Covid-Patienten fragwürdig ist und dass diese Mittel besser in anderen medizinischen Bereichen eingesetzt werden sollten. Hier sind einige Gegenargumente und wissenschaftliche Fakten:

 

  • Vielfältige Symptome von Post-Covid:
    Post-Covid ist keine einheitliche Erkrankung, sondern umfasst eine breite Palette von Symptomen, die Patienten über Monate oder sogar Jahre hinweg beeinträchtigen können. Diese Symptome reichen von Atemproblemen und Erschöpfung bis zu neurologischen und psychischen Beschwerden. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Patienten nach wenigen Wochen wieder fit sind.
  • Psychische Gesundheit und Post-Covid:
    Nach sechs Monaten stehen bei einigen wenigen Post-Covid-Patienten oft Ängste und Depressionen im Vordergrund. Es ist wichtig zu betonen, dass psychische Gesundheitsprobleme nach einer schweren Erkrankung, wie sie bei Covid-19 auftreten kann, nicht ignoriert werden sollten. Allerdings erfordert eine umfassende Betrachtung der Gesundheit von Post-Covid-Patienten die Berücksichtigung sowohl physischer als auch psychischer Aspekte.
  • Evidenzbasierte Medizin:
    Der Autor kritisiert die Entscheidung, Arzneimittel für Menschen mit Spätfolgen von Corona zu übernehmen, da die Beweise für ihren Nutzen nicht den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin entsprechen. Die Erforschung und Behandlung von Post-Covid ist zwar ein neues und sich entwickelndes Gebiet, und Studien sind im Gange, um die Wirksamkeit von verschiedenen Ansätzen zu bewerten. Trotzdem wird in der Zwischenzeit die Bereitstellung von Unterstützung für betroffene Patienten dringend benötigt.
  • Modernes Krankheitsverständnis:
    Der Autor argumentiert, dass die Trennung von Psyche und Körper in Bezug auf Post-Covid ein Rückschritt hinter ein modernes, ganzheitliches Krankheitsverständnis ist. Viele Krankheiten, einschließlich Post-Covid, weisen sowohl physische als auch psychische Komponenten auf. Ein integrativer Ansatz zur Behandlung von Post-Covid ist daher sinnvoll.
  • Priorisierung von Gesundheitsausgaben:
    Der Autor schlägt vor, dass das Geld sinnvoller in die Erforschung und Behandlung von anderen Krankheiten wie Demenz, Parkinson oder Multipler Sklerose investiert werden sollte. Dies ist jedoch eine Frage der Priorisierung, und es ist möglich, sowohl in die Erforschung von Post-Covid als auch in die von anderen Krankheiten zu investieren, um ein umfassenderes Verständnis und bessere Behandlungsoptionen für alle Patienten zu ermöglichen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entscheidung, finanzielle Unterstützung für Post-Covid-Patienten bereitzustellen, komplex ist und verschiedene Gesichtspunkte berücksichtigt werden müssen. Es ist wichtig, die Bedürfnisse und das Leiden der Betroffenen ernst zu nehmen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Mittel effektiv und evidenzbasiert eingesetzt werden.

 

Darüber hinaus ist es unangemessen und unfair, Menschen mit Post-Covid-Symptomen als Simulanten abzutun. Die medizinische Gemeinschaft und die Gesellschaft insgesamt sollten die Herausforderungen, vor denen diese Menschen stehen, anerkennen und Unterstützung und Forschungsmittel bereitstellen, um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu verbessern. Die Behandlung von Post-Covid-Patienten sollte von Mitgefühl und Solidarität geprägt sein, anstatt Vorurteile und Zweifel zu schüren.

 

Große Studie zu Long- und Post-Covid veröffentlicht 

Sechs bis zwölf Monate nach einer Corona-Infektion leiden Betroffene unter erheblichen Symptomen, die die Gesundheit sowie die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen. Die vom Land Baden-Württemberg geförderte bevölkerungsbasierte EPILOC-Studie umfasste knapp 12.000 ehemals SARS-CoV-2 Infizierte im Alter von 18 bis 65 Jahren. Sie beschreibt Art und Stärke von Beschwerden, die nach der akuten Infektion auftraten, sowie deren Bedeutung für Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit auch noch Monate später. Die Ergebnisse wurden am im renommierten British Medical Journal veröffentlicht.

 

Auch eine kürzlich durchgeführte Studie in 31 Post-COVID-19-Kliniken im Vereinigten Königreich hat wichtige Erkenntnisse über die Auswirkungen des Post-COVID-19-Syndroms (PCS) auf die Lebensqualität und die Fähigkeit zur Arbeit und zur Bewältigung des täglichen Lebens geliefert.

 

Die Studie konzentrierte sich auf 3754 erwachsene Patienten, die aufgrund von PCS in der Primär- oder Sekundärversorgung behandelt wurden und die sich für die Nutzung der digitalen Gesundheitsintervention "Living With Covid Recovery" registriert hatten.

 

Die Forscher stellten fest, dass Erschöpfung eine Schlüsselrolle bei den funktionellen Einschränkungen von PCS-Patienten spielt. Mehr als die Hälfte der Patienten im erwerbsfähigen Alter berichtete von mäßig schweren bis schweren Einschränkungen, die ihre Arbeitsfähigkeit und Alltagsaktivitäten beeinträchtigten. Besorgniserregend war, dass 20% dieser Patienten angaben, überhaupt nicht arbeiten zu können.

 

Die Studie identifizierte auch andere Symptome wie Depression, Angst und kognitive Beeinträchtigung als Faktoren, die zu schwereren funktionellen Einschränkungen beitrugen. Dennoch war Erschöpfung das Hauptsymptom, das die Variation in der Funktionalität am stärksten erklärte.

 

Die Ergebnisse dieser Studie haben wichtige Implikationen für die Versorgung von PCS-Patienten. Die klinische Betreuung und Rehabilitation sollten sich darauf konzentrieren, die Erschöpfung effektiv zu bewältigen, um die Erholung und die Rückkehr zur Arbeit in dieser großen Patientengruppe zu maximieren. Weitere Forschung ist erforderlich, um die langfristigen Erholungsmuster dieser Patienten zu verstehen und zu untersuchen, ob Erschöpfung weiterhin funktionelle Einschränkungen und eine geringe Lebensqualität im Laufe der Zeit vorhersagt. Dies ist besonders relevant, da PCS weiterhin weltweit eine wachsende gesundheitliche Herausforderung darstellt.

 

Post-Covid / Long-Covid

Der Begriff "Post-Covid" bezieht sich allgemein auf die Phase nach einer akuten Covid-19-Infektion, unabhängig davon, ob es sich um eine milde oder schwere Form der Erkrankung handelt. "Long Covid" oder "Long-Haul Covid" bezieht sich speziell auf anhaltende Symptome und Gesundheitsprobleme, die nach einer Covid-19-Infektion auftreten und über einen längeren Zeitraum, oft Monate, andauern. Daher ist "Long Covid" eine Untergruppe von "Post-Covid", da es sich auf die langfristigen Auswirkungen einer Covid-19-Infektion bezieht.

 

Beide Begriffe, "Post-Covid" und "Long Covid", beschreiben die Tatsache, dass einige Menschen nach einer Covid-19-Infektion anhaltende Symptome und Gesundheitsprobleme erfahren können, die über die akute Phase der Erkrankung hinausgehen. Diese Symptome können vielfältig sein und sowohl körperliche als auch psychische Gesundheit betreffen. Die genauen Ursachen und Mechanismen von "Long Covid" sind noch Gegenstand intensiver Forschung. Es ist jedoch wichtig zu erkennen, dass diese Gesundheitsprobleme real sind und eine angemessene medizinische und soziale Unterstützung erfordern.

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