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Alt-Erreger aus schmelzendem Eis könnten Ökosysteme bedrohen

Bacillus anthracis ist ein bodenbürtiges Bakterium, das Milzbrand verursacht. William A. Clark/USCDCP
Bacillus anthracis ist ein bodenbürtiges Bakterium, das Milzbrand verursacht. William A. Clark/USCDCP

DMZ –  WISSENSCHAFT ¦ Anton Aeberhard ¦                Bacillus anthracis ist ein bodenbürtiges Bakterium, das Milzbrand verursacht. William A. Clark/USCDCP

 

Alte Erreger, die jahrtausendelang im Eis eingeschlossen waren, könnten laut einer neuen Untersuchung ernsthafte Gefahren für die Welt darstellen. Science-Fiction-Geschichten handeln oft von tödlichen Organismen, die aus schmelzendem Eis auftauchen. Und obwohl es vielleicht weit hergeholt klingt, ist es tatsächlich ziemlich real. Bakterien und Viren, die lange Zeit in Gletschern und Permafrostböden ruhten, werden nun durch die rasante Erderwärmung freigesetzt.

 

Es gibt reale Beispiele für wiederbelebte Bakterien und Viren aus alten Eiskernen, wie einem mehr als 750.000 Jahre alten Eispanzer auf dem Qinghai-Tibet-Plateau und einem 30.000 Jahre alten "Zombie"-Virus aus sibirischem Permafrost. Es gab auch einen besorgniserregenden Anthrax-Ausbruch in Sibirien, der mit dem Auftauen des Permafrosts in Verbindung gebracht wurde und sowohl die Tierwelt als auch Menschen betraf.

 

Da der Klimawandel zu schnellerem Abschmelzen von Eis führt, werden jedes Jahr eine unvorstellbare Anzahl von Mikroorganismen, geschätzt auf vier Sextillionen, freigesetzt. Doch das tatsächliche Risiko, das diese alten Erreger für moderne Ökosysteme darstellen, ist noch unsicher.

 

Eine kürzlich durchgeführte Studie verwendete Computersimulationen, um die ökologischen Risiken der Freisetzung dieser unberechenbaren alten Viren zu bewerten. Überraschenderweise könnte bereits die Freisetzung von nur 1% eines ruhenden Erregers erheblichen Umweltschaden und den weitreichenden Verlust von Wirtorganismen weltweit verursachen.

 

Die Auswirkungen dieses kleinen Prozentsatzes freigesetzter Erreger mögen gering erscheinen, aber angesichts der schieren Anzahl an alten Mikroben, die in der realen Welt freigesetzt werden, wird die Bedrohung bedeutend.

 

Obwohl wir das Risiko für den Menschen nicht modelliert haben, ist es durchaus vorstellbar, dass diese "zeitreisenden" Erreger sich etablieren und Wirtsgemeinschaften schwer schädigen könnten. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Erregers, katastrophale Aussterben zu verursachen, gering ist, betont diese Studie die Notwendigkeit, auf solche aufkommenden Risiken vorbereitet zu sein.

 

Bekannte Viren wie SARS-CoV-2, Ebola und HIV wurden wahrscheinlich durch den Kontakt mit Tierwirten auf den Menschen übertragen. Daher ist es denkbar, dass zuvor eingefrorene Viren auch durch Zoonosepfade in die menschliche Bevölkerung gelangen könnten.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vorstellung von alten Erregern, die aus schmelzendem Eis Unheil anrichten, nicht mehr nur Science-Fiction ist. Als Gesellschaft müssen wir diese potenziellen Gefahren verstehen und bereit sein, ihnen zu begegnen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses gering sein mag, ist es entscheidend, auf das Unerwartete vorbereitet zu sein.

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