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CH: Illegaler Handel mit hochgefährlichen Chemikalien weit verbreitet

DMZ –  POLITIK / MM ¦ AA ¦                                   

 

Dübendorf, St. Gallen und Thun - Forschende aus der Schweiz und China haben den weltweiten Handel mit hochgiftigen Chemikalien untersucht, die dem Rotterdamer Übereinkommen unterliegen. Die Ergebnisse sind alarmierend: Fast die Hälfte des Gesamtvolumens dieser Chemikalien wird illegal über Landesgrenzen gehandelt. Dies erfordert entschiedene Massnahmen auf nationaler und internationaler Ebene.

 

Das Rotterdamer Übereinkommen, auch bekannt als PIC-Konvention (Prior Informed Consent), betrifft 54 Chemikalien und Chemikaliengruppen mit hohem Potenzial für die Schädigung von Mensch und Umwelt. Obwohl das Übereinkommen den Handel mit diesen gefährlichen Stoffen nicht verbietet, dürfen die Vertragsstaaten sie nur in Länder exportieren, die dem Import ausdrücklich zugestimmt haben.

Die PIC-Konvention zielt insbesondere darauf ab, Entwicklungsländer vor unkontrollierter Einfuhr hochgefährlicher Chemikalien zu schützen, da diesen Ländern oft die notwendige Infrastruktur für sichere Verarbeitung und Entsorgung fehlt. Eine neue Studie, an der auch die Empa beteiligt war, zeigt jedoch erschreckende Ergebnisse: Bei fast der Hälfte des gehandelten Chemikalienvolumens wird das PIC-Verfahren missachtet.

 

Für die Studie wurden Handelsdaten aus der Comtrade-Datenbank der Vereinten Nationen für 46 der 54 gelisteten Chemikalien analysiert. Insgesamt wurden weltweit von 2004 bis 2019 64,5 Millionen Tonnen dieser Stoffe gehandelt, wovon 27,5 Millionen Tonnen illegal exportiert wurden, also an Länder, die den Import ausdrücklich abgelehnt hatten.

 

Die Missachtung des Rotterdamer Übereinkommens ist ein weltweites Phänomen, insbesondere in vielen Ländern in West-, Zentral- und Südeuropa sowie in Süd- und Südostasien. Diese Regionen waren auch am stärksten von illegalen Importen betroffen, zusammen mit dem Mittleren Osten und Nordafrika sowie Lateinamerika. Empa-Forscher Zhanyun Wang, der die Studie initiiert hat, betont: "Dieser weit verbreitete illegale Handel ist höchst besorgniserregend. Er untergräbt die weltweiten Bemühungen, uns und unsere Umwelt vor gefährlichen Chemikalien zu schützen."

 

Die Ergebnisse der Studie sind eher konservativ geschätzt, da Schmuggel und Schwarzmarkthandel nicht berücksichtigt wurden. Zudem exportieren einige Länder, wie die USA, Chemikalien in Länder, die den Import ablehnen. Dies ist jedoch nicht unbedingt illegal, da die USA das Rotterdamer Übereinkommen nicht ratifiziert haben und daher anderen Regeln unterliegen.

 

Besonders besorgniserregend ist auch das insgesamt hohe Volumen des gehandelten Chemikaliengemischs. Der Großteil, nämlich 55,3 Millionen Tonnen, entfällt auf Ethylendichlord, ein karzinogenes und organschädigendes Lösungsmittel, das zur Herstellung von Polyvinylchlorid (PVC) verwendet wird. An zweiter Stelle steht mit 6,3 Millionen Tonnen das toxische Reagenz, Desinfektionsmittel und Pestizid Ethylendioxid.

 

Die Forschenden haben auch einen regen Handel mit Stoffen festgestellt, deren Verwendung seit Jahren stark eingeschränkt oder sogar verboten ist. Beispielsweise werden die Pestizide Aldrin, Chlordan, Heptachlor und Dieldrin, die seit 2004 weltweit im Rahmen des Stockholmer Übereinkommens als "Dirty Dozen" verboten sind, immer noch gehandelt. Auch die als neurotoxisch bekannten Antiklopfmittel Tetraethyl- und Tetramethylblei werden in geringeren Mengen von einigen tausend Tonnen weiterhin gehandelt, obwohl weltweite Bemühungen unternommen wurden, sie aus dem Benzin zu eliminieren.

Die Forschenden empfehlen, nationale und internationale Massnahmen zur Bekämpfung des illegalen Handels mit gefährlichen Chemikalien zu verstärken. Sie fordern die Aufnahme weiterer problematischer Chemikalien in das Übereinkommen, wie beispielsweise Chrysotilasbest, das als einzige der sechs Asbestarten noch nicht im Übereinkommen enthalten ist. "Die Schweiz hat kürzlich gemeinsam mit anderen Ländern die Initiative ergriffen, um eine Änderung herbeizuführen, bisher jedoch ohne Erfolg", sagt Wang.

 

Wang betont auch die Bedeutung des kürzlich eingerichteten "Compliance Committee" des Rotterdamer Übereinkommens, das die Umsetzung der Vorschriften überwachen soll. "Wir hoffen, dass dies in Zukunft zu einer erheblichen Reduzierung des illegalen Handels führen wird, zusammen mit nationalen Massnahmen zur Verringerung der Produktion und des Einsatzes hochgefährlicher Chemikalien", fügt er hinzu.

 

Das Rotterdamer Übereinkommen über das Verfahren der vorherigen Zustimmung nach Inkenntnissetzung für bestimmte gefährliche Chemikalien sowie Pestizide im internationalen Handel trat 2004 in Kraft. Es regelt den Handel mit 54 gefährlichen Chemikalien und erfordert die vorherige Zustimmung des Importlandes (Prior Informed Consent) für den Handel mit diesen Stoffen. Bisher haben 165 Länder das Übereinkommen ratifiziert.

 

 

 

 

Herausgeber:

Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

http://www.empa.ch

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