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Bewertung der Börsenstrompreise 2021 bis 2023

DMZ –  POLITIK ¦ Dirk Specht ¦                                 

KOMMENTAR

 

Ein paar Daten aus einer aktuellen Vorbereitung für ein Energiesymposium: Stromproduktion und Preise 2021, 2022, 2023 und exemplarisch Woche 21/2023. Als Charts ganz unten, um den Verlauf kontinuierlich zu zeigen.

 

Folgende Effekte: In 2021 zwar wie stets starke Schwankungen um Preisbereich 6-8 Cent/KWh. Das war quasi der niedrigste allgemein verfügbare Einkaufspreis für den Großhandel. Manche Industriekunden konnten sich den sichern. Bei Haushalten kommen Handelsmargen etc. hinzu. Steuern, Abgaben, Netzentgelte und vieles mehr ohnehin.

 

Im Herbst 2021 bereits die erste Eskalation. Grund: Gazprom hatte die Gasbörse mit Lieferkürzungen irritiert. Wer das als Zufall sieht, glaubt an die freie Marktwirtschaft in Russland. Folge: Die Ausschläge nahmen zu, der Strompreis erreichte Spitzenwerte von 50 Cent/KWh, er pendelte bereits sehr stark um im Mittel 20 Cent/KWh. Da hatten die ersten Industriekunden Verdopplungen bis Verdreifachungen erfahren.

In 2022 dann dasselbe Bild, Kriegsbeginn ist hier gar nicht so prägnant erkennbar. Im Spätsommer aber weitere Eskalation und Preisband bis zu 35 Cent/KWh, Spitzenwerte fast 1 Euro/KWh. Das war die Phase, in der eine Gasmangellage drohte und der Gaspreis vollständig eskalierte.

 

Seitdem Beruhigung, in 2023 geringere Schwankungen, aber immer noch hohes Niveau über 10 Cent/KWh. Die Preise liegen also >50% über Vorkrisenniveau und diese Preissteigerung wird vermutlich langfristig in alle Tarife durchschlagen. Industriekunden haben diese Eskalationen oft bis in ihre Rechnungen erfahren, sehen also zwar eine Beruhigung, aber auf einem deutlich höheren Niveau als zuvor.

 

In der Woche 21/2023 mal ein genaueres Bild: Erkennbar sinkt der Preis mit hoher Produktion von Erneuerbaren, teilweise wird er sogar negativ. Mit Rückgang Erneuerbarer und erforderlichem Hochfahren der konventionellen Kraftwerke steigt der Preis rasch wieder an, so dass es zum Durchschnittsband oberhalb von 10 Cent/KWh führt.

 

Sehr kurze Bewertung: Maßgeblich für den Strompreis bleibt der Gaspreis, weil diese Spitzenlastproduktion immer wieder nur über Gaskraftwerke technisch möglich ist, die durch Merit-Order dann den Preis setzen. Das wird nur unterbrochen, wenn die Erneuerbaren überschießen. Daran wird sich – da das Marktdesign nicht geändert werden soll – erst etwas tun, wenn moderne Speichertechnologien, insbesondere kurzfristige Pufferspeicher, die Funktion der Gaskraftwerke übernehmen können. Leider ist das nicht schnell zu erwarten, das wird Jahre dauern. Nebenbefund: Kernenergie hat keinen Preiseffekt.

 

Prognose nicht möglich, weil in den kommenden Jahren alles weiter vom Gaspreis abhängt. Der wird stärker schwanken als früher, weil die LNG-Versorgung zu eng ist – das Wetter wird die Sache stark mitbestimmen, aber leider nicht bei den Erneuerbaren, sondern beim Gaspreis. Es bleibt dabei, dass beim Gas langfristig eine Verdopplung des Vorkrisenniveaus, also +100% erkennbar ist, die zu einer Preissteigerung beim Strom von >50% führt.

 

Das ist weder gut, noch notwendig. Aber erneuter Nebenbefund: Mit Kernenergie hat das immer noch nichts zu tun. Die Dominanz des Gaspreises für den Strompreis ist ein strategischer Fehler. Weiterer Nebenbefund: Deshalb wird die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen leider ausgerechnet durch Gas beeinträchtigt, aber deshalb eine neue Gasheizung zu kaufen, bleibt: Teurer Unfug!

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