Innovation und Europa

DMZ –  POLITIK ¦ Dirk Specht ¦                                 

KOMMENTAR

 

Eine schöne Geschichte über einen Menschen, den ich mal treffen durfte, der ähnlichen Alters und ein Beispiel für eine Erfolgsgeschichte in einem innovativen Umfeld ist, das längst nicht mehr nur durch junge Menschen geprägt wird.

 

Als Google YouTube für ca. 1,6 Milliarden Dollar kaufte, wurde das in der europäischen Medienszene als irre Geldverschwendung bezeichnet. Ich erinnere mich noch, wie ich in Fachmedien ausgelacht wurde, weil ich das als Kaufpreis für den zukünftig reichweitenstärksten Fernsehsender der Welt sehr günstig fand. Ebenso wurde ich ausgelacht, weil ich nonlineares Fernsehen, wie es heute noch in „Fachkreisen“ genannt wird, als zukünftig führendes Format bezeichnete. Schon den Begriff „Fernsehen“ empfahl ich, zu beerdigen.

 

Nun ist es für mich und die Medienwelt vollkommen egal gewesen, dass man darüber lachte. Ich war zu der Zeit der Quotenquerulant in Podiumsdiskussionen oder Interviews auf Fachveranstaltungen, die kaum jemanden interessierten. Vermutlich hatte ich diese Plätze ohnehin nur, weil ausgerechnet der Digitalchef der FAZ so komisches Zeug erzählte. Das relevante Problem ist vielmehr, dass sich dafür kaum jemand interessierte und die sehr wenigen damaligen Digitalchefs in Unternehmen wie Bertelsmann, der Telekom, United Internet, Springer, Burda, bei ARD und ZDF gab es so was damals noch nicht mal, die wurden auch alle ausgelacht.

 

Heute läuft YouTube auf ca. 40 Milliarden Jahresumsatz zu. Die Kosten werden nicht mitgeteilt, es wird weiter viel investiert, aber es ist nicht kühn, zu vermuten, dass der damalige Kaufpreis heute innerhalb eines einzigen Monats verdient wird – Monat für Monat für Monat.

 

In unseren Medien würde vielleicht stehen, dass nun ein 50jähriger mit Migrationshintergrund dort den Chefposten übernimmt. Er wird in dem Porträt sehr gut beschrieben, ein brillanter Kopf, niemals stehen geblieben, stets strategisch denkend, sich mehr für die Themen der Zukunft als die der Vergangenheit interessierend. So kann man auch mit 50 zeigen, dass man mit dem Alter nicht alt denken muss.

 

Solche Persönlichkeiten kann ich in Europas Medienwelt nicht erkennen. Wie in vielen anderen Branchen auch sehen wir die Controller am Werk, die sich von Jahr zu Jahr neue KPIs ausdenken, um ihre Dickschiffe zu steuern. Außer irgendwelchen grenzwertig substanzfreien Optimierungen im Mikromanagement kommt dabei leider nichts raus. Neal Mohan ist aber in den agiler aufgestellten Unternehmen alles andere als eine Ausnahmeerscheinung, seine Karriere ist dort vollkommen normal.

 

Ich bin fest überzeugt davon, dass wir diese Denkweise in Europa genauso haben. Sie wird aber in unserer Unternehmenskultur und leider auch in der Politik immer noch ausgelacht. Geändert hat sich nur, dass inzwischen alle CEOs oder Politiker die typischen Begrifflichkeiten wie Digitalisierung, Innovation, Moderne etc. drauf haben. Deren Umsetzung findet aber nicht statt und die Digitalchefs oder ganz schick „Chief Innovation Officer“ sind immer noch die Quotenquerulanten.

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