Richtigstellung und Faktencheck zu fehlerhaften Aussagen in einem Artikel der 'The Epoch Times'

Dieter Köhler
Dieter Köhler

DMZ –  GESUNDHEIT / WISSEN ¦ Sarah Koller ¦     Dieter Köhler

 

In einem Artikel der „The Epoch Times“ vom 15. Mai 2023 werden diverse Fake-News und untragbare , sowie falsche Aussagen verbreitet.

 

Gemäß Angaben der Zeitung zog der zitierte Lungenfacharzt Dieter Köhler eine "kritische Bilanz der Pandemie-Politik" und bediente im Artikel alle gängigen Narrative der Coronaleugner. Interessanterweise handelt es sich hierbei um denselben Dieter Köhler, der bereits 2019 für Aufsehen sorgte, als er bei seiner Kritik an Schadstoffgrenzwerten falsch berechnete Zahlen verwendete. Die taz hatte damals diese fehlerhaften Berechnungen aufgedeckt. Köhler hatte gemeinsam mit anderen eine Stellungnahme veröffentlicht, in der behauptet wurde, es gäbe "keine wissenschaftliche Begründung für die aktuellen Grenzwerte". Zahlreiche andere Wissenschaftlerinnen widersprachen dieser Behauptung.

 

Er wirft der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor, die Pandemie ohne Not dramatisiert zu haben, ohne auf vorhandene Konzepte zurückzugreifen. Köhler kritisiert auch die vorschnelle invasive Beatmung, die seiner Meinung nach über 100.000 Menschen das Leben gekostet hat.

 

Dies stimmt nicht, denn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Pandemie aufgrund der sich rasch verbreitenden Infektionen und der schwerwiegenden Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit als globalen Notfall eingestuft. Dies geschah aufgrund von Daten, wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen von Experten auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten.

 

Auch im Bezug auf die invasive Beatmung, liegt er falsch. Die Entscheidung zur invasiven Beatmung bei schweren COVID-19-Fällen wird von medizinischen Fachleuten individuell getroffen und basiert auf dem klinischen Zustand und den Bedürfnissen jedes einzelnen Patienten. Es gibt keine einheitliche Meinung darüber, ob diese Maßnahme in jedem Fall angemessen oder kontraproduktiv ist. Die Behandlung von COVID-19-Patienten erfordert eine individuelle Abwägung der Risiken und Vorteile.

 

Medizinische Entscheidungen und Maßnahmen im Zusammenhang mit der Pandemie basieren auf umfassenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, Studien und Empfehlungen. Es gibt eine breite internationale Zusammenarbeit von Experten, darunter Virologen, Epidemiologen und anderen Fachleuten, die ihre Erkenntnisse austauschen und gemeinsam Lösungen entwickeln, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und Menschenleben zu schützen.

 

Er argumentiert, dass die Herdenimmunität das einzige sinnvolle Konzept sei, solange der Individualschutz gewährleistet ist. Er betont auch, dass sich das Virus über abgeatmete Aerosole in der Luft verbreitet und dass die Kontaktnachverfolgung daher zum Scheitern verurteilt war.

 

Bereits Anfang 2022 war deutlich erkennbar, dass eine Herdenimmunität durch natürliche Durchseuchung nicht erreichbar sein würde. Diese Bedenken wurden von namhaften Virologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz geäußert, darunter Melanie Brinkmann, Christian Drosten und Isabella Eckerle. In einem gemeinsamen Dokument betonten sie ihre Besorgnis darüber, dass wiederholt Stimmen laut wurden, die auf eine Strategie der Pandemiebekämpfung durch die natürliche Durchseuchung großer Teile der Bevölkerung mit dem Ziel der Herdenimmunität setzten. Sie warnten, dass angesichts der explosiven Infektionsdynamik, die in Hotspots quer durch Europa beobachtet wurde, die Kontrolle über das Infektionsgeschehen auch in bisher weniger betroffenen Regionen verloren gehen könnte. Sobald ein bestimmter Schwellenwert überschritten würde, seien die Nachverfolgung einzelner Ausbrüche und strikte Isolationsmaßnahmen nicht mehr realisierbar, und eine unkontrollierte Ausbreitung in allen Bevölkerungsteilen, einschließlich besonders gefährdeter Risikogruppen, wäre nicht mehr angemessen zu verhindern. Dieses Dokument wurde von der Gesellschaft für Virologie unterzeichnet, einer Vereinigung von Fachleuten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

 

Köhler kritisiert die harten Lockdown-Maßnahmen in Bayern, da sie die Pandemie beschleunigt hätten, indem sie die Menschen in Innenräume gezwungen haben, in denen sich das Virus leicht verbreitet. Er bemängelt auch den Lobbyismus und die Selbstzensur in der Politik und den Medien, die kritische Diskussionen behindert haben.

 

Auch diese Aussagen sind falsch. Harte Lockdown-Maßnahmen in Bayern und anderen Regionen wurden ergriffen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die Infektionszahlen zu senken, was auch eindrücklich gelungen ist. Es gibt Studien und Erfahrungen aus anderen Ländern, die zeigen, dass solche Maßnahmen klar dazu beigetragen haben, die Infektionsrate zu verringern.

 

Zudem ist die Frage der Verbreitung des Virus in Innenräumen komplex. Es ist bekannt, dass das Virus sich hauptsächlich durch Tröpfchen- und Aerosolübertragung ausbreitet. Die Nutzung von Innenräumen kann das Infektionsrisiko erhöhen, aber es wurden auch Maßnahmen ergriffen, um die Luftqualität und Belüftung in Innenräumen zu verbessern und das Infektionsrisiko zu verringern.

 

Lobbyismus und Selbstzensur sind Probleme, die in verschiedenen Bereichen existieren können. Es ist jedoch wichtig, zu beachten, dass nicht alle politischen Entscheidungen oder Medienberichterstattungen von diesen Faktoren beeinflusst werden. Es gibt eine Vielzahl von Expertenmeinungen und differenzierten Diskussionen in der Pandemie, auch wenn nicht jeder Standpunkt gleichzeitig präsent ist.

Schließlich fordert Köhler im Artikel eine kritische Aufarbeitung der Pandemie-Politik und betont, dass es mehr Rationalismus und offenen Diskurs braucht, um Irrtümer anzuerkennen und zu korrigieren.

 

Fazit

Es ist bedauerlich und inakzeptabel, dass selbst im vierten Jahr der Pandemie immer noch vermeintliche Corona-Experten Gehör finden. Diese Tatsache ist nicht nur untragbar, sondern auch verwerflich und hat katastrophale Auswirkungen. Aus diesem Grund möchten wir in diesem Artikel die falschen Informationen erneut richtigstellen.

 

Wir halten fest, dass die Behauptung, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe die Pandemie ohne Not dramatisiert und vorhandene Konzepte ignoriert, unbelegt ist. Ebenso fehlen ausreichende Beweise oder Studien, um die Aussage zu unterstützen, dass über 100.000 Menschen durch vorschnelle invasive Beatmung unnötig gestorben seien.

 

Ebenfalls die Behauptung, dass es wünschenswert sei, dass jeder das Virus bekommt, solange der Individualschutz beachtet wird, steht im Widerspruch zu den Bemühungen, die Verbreitung des Virus zu kontrollieren und vulnerable Bevölkerungsgruppen zu schützen. Es gibt auch keine ausreichenden wissenschaftlichen Beweise, die die Aussage unterstützen, dass abgeatmete Viren über Stunden in der Luft bleiben und die Kontaktnachverfolgung zum Scheitern verurteilt war.

 

Die Behauptung, dass harte Lockdown-Maßnahmen in Bayern die Pandemie beschleunigt haben, widerspricht den Erfahrungen anderer Länder, die ähnliche Maßnahmen ergriffen haben, um die Infektionszahlen zu senken. Die Aussage, dass es nie zu einer von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach beschworenen "Killer-Variante" gekommen sei und dass Viren sich ständig abschwächen, basiert nicht auf ausreichenden wissenschaftlichen Erkenntnissen.

 

Dass die meisten Medien und öffentlich-rechtlichen Sender Kritik nicht zugelassen und Selbstzensur betrieben hätten, ist pauschal und unbelegt. Ebenso beruht die Aussage, dass viele Virologen nicht wussten, dass sich die Pandemie über abgeatmete Aerosole verbreitet, möglicherweise auf persönlichen Gesprächen mit begrenzter Aussagekraft.

 

 

 

Wikipedia: The Epoch Times: Die Epoch Times ist eine mehrsprachige, internationale Zeitung mit Hauptsitz in New York, die im Jahr 2000 von John Tang und einer Gruppe Sinoamerikanern gegründet wurde. Sie ist verbunden mit der Falun-Gong-Bewegung. Das Motto des Mediums ist „Wahrheit und Tradition“. Sie erscheint als Print- und Online-Version und wird seit der amerikanischen Präsidentschaftswahl 2016 dem rechtspopulistischen bis rechtsextremistischen Spektrum zugeordnet.

 

Die deutsche Online-Ausgabe gewährte von 2015 bis 2017 einen bedeutenden Raum für xenophobe Ressentiments sowie die Positionen der Alternative für Deutschland. Nicht nur die englischsprachige, auch die deutschsprachige Epoch Times wird dem rechtspopulistischen Spektrum zugeordnet. (Trump, QAnon and an impending judgment day: Behind the Facebook-fueled rise of The Epoch Times (nbcnews.com)


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