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Dänemark, das Negativbeispiel: Plötzlich glauben Verschwörungsgläubige bedingungslos den Mainstreammedien

DMZ –  GESELLSCHAFT / LEBEN / Lena Wallner ¦           

KOMMENTAR

 

Kaum melden diverse Medien Fake-News, kippen die Verschwörungsgläubigen und führen diese Fake-News als Beweise für ihren seit zwei Jahren behaupteten Irrsinn an. Ein weiterer Beleg dafür, das Verschwörungsgläubige blind sind und nur glauben, was sie glauben wollen und das möglichst weit weg von Fakten. Dänemark hat seine Corona-Regeln alle beendet – trotz hoher Zahlen. In den Augen internationaler Corona-Experten ist die Öffnung ein grosser Fehler. Und trotz eines bereits kolossal gescheiterten Freedom Day 1.0 (der Begriff ist nach wie vor untragbar). Nun wehrt sich die staatliche Gesundheitsbehörde gegen die Fakten und stellt sogar die, von ihr gemeldeten täglichen Zahlen als Missverständnis dar. Sie meldet Zahlen, um dann zu sagen, dass diese falsch seien. Eine neue „Strategie“, um verschuldete Todesfälle zu rechtfertigen.

 

Eine Impfquote von über 80 Prozent der Bevölkerung hat Dänemark vergleichsweise gut durch die Delta-Welle des Coronavirus gebracht und veranlasste die Regierung sogar, nahezu alle Corona-Massnahmen aufzuheben. Dänemark hatte sich als eines der ersten Länder in Europa hinreissen lassen, Massnahmen zu streichen: Anfang Februar hob die Regierung sämtliche massgeblichen Corona-Massnahmen auf. Das Land feierte den "Freedom Day" (ein unsagbar schlecht gewählter Begriff). Bis auf vereinzelte Einreiseregeln muss die Bevölkerung keine Beschränkungen mehr beachten. 

 

Für Corona-Experten ist Dänemark ein Negativbeispiel

Dänemarks Freedom Day 2.0 – also die Aufhebung sämtlicher Corona-Restriktionen – hat international für viel Aufsehen gesorgt. Nicht zuletzt, weil das skandinavische Land die Öffnung trotz hoher Infektionszahlen vollzogen hat. Seit dem Wegfall aller Massnahmen sind die Zahlen im Land massiv gestiegen. Zahlen und Grafiken der staatlichen Gesundheitsbehörde Statens Serum Institut (SSI) zeigen, dass sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen auf einem hohen Niveau einpendelt. Die Zahl der Hospitalisierungen ist in den vergangenen Wochen gestiegen, ebenso die Todesfälle im Zusammenhang mit Corona.

 

Internationale Corona-Experten kritisieren den dänischen Weg. Auf Twitter führen sie mit Grafiken aus, warum Dänemarks Öffnungen falsch seien. Einer von ihnen ist der Epidemiologe Eric Feigl-Ding, der lange an der Harvard University war. Die dänische Regierung habe "völlig ihren verdammten Verstand verloren", so Feigl-Ding auf Twitter. Er zeigt dabei eine Grafik vom Datenportal "Our World in Data". "Das sind exponentiell steigende TODESFÄLLE, keine Infektionen!!! Das passiert, wenn die Führer eines Landes seine eigenen Bürger gaslighted." Unter "Gaslighting" versteht man, wenn jemand versucht, einen anderen Menschen gezielt zu verunsichern – bis es zu einem Zusammenbruch kommt. 

 

Es gebe eine "endemische Täuschung". "Sagen Sie, was Sie wollen, über die Intensivstationen, aber die Krankenhauseinweisungen und Todesfälle lügen nicht. Dänemark hat wirklich eine riskante Haltung eingenommen, dass Covid keine ernsthafte Krankheit ist." Man würde Todes- und Hospitalisierungszahlen ignorieren.

 

Leugnung von Covid

Das SSI antwortete Feigl-Ding direkt auf seinen Twitter-Thread: "Wir möchten noch einmal betonen, dass die Zahlen, die Sie mit Ihren Followern teilen, Todesfälle mit C-19 zeigen. Nicht Todesfälle wegen C-19." Feigl-Ding erwiderte: "Wer auch immer Ihr Konto führt, erweist den Bürgern Ihres Landes und der Welt einen grossen Bärendienst. Das 'mit vs wegen' ist eine bekannte alte Leugnung von Covid."

Auch Eric Topol, Kardiologe aus den USA, veröffentlichte auf Twitter Grafiken von "Our World in Data" mit dem Kommentar, dass es in Dänemark "nicht gut aussehe". Auch der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler, Nobelpreisträger und Kolumnist Paul Krugman schrieb auf Twitter: "Sind wir uns also wirklich sicher, dass wir uns beeilen wollen, alle Covid-Beschränkungen aufzuheben?"

 

 

Edouard Mathieu, Chef bei "Our World in Data" äusserte sich ebenfalls zu der Debatte um die dänischen Corona-Zahlen. Auf Twitter hob er hervor, dass die Zahlen, die das Portal nutzt, sich auf offizielle Daten bezögen. Zu der "wegen-oder-mit"-Unterscheidung kommentierte er: "Die dänischen nationalen Gesundheitsbehörden haben kürzlich berichtet, dass der Anteil der Patienten 'mit' COVID sowohl bei Krankenhausaufenthalten als auch bei Todesfällen erheblich zugenommen hat.“

Mathieu betonte, dass er nicht in eine "richtige" oder "falsche" Zählung unterscheide oder dass Dänemark "gut" oder "schlecht" abschneide. "Ich sage, es ist leicht zu verstehen, dass viele Menschen verwirrt sind, wenn Behörden an einer Stelle offizielle Daten melden, aber an anderer Stelle sagen, dass diese Daten nicht gut sind."

 

Fazit: Dass die Infektionszahlen, Hospitalisierungen und Todesfälle in Dänemark steigen bzw. auf einem hohen Niveau sind, ist korrekt. Das geben auch die Grafiken des SSI her.

 

Wer nicht Maske trägt, gefährdet sich und andere – Kein Verlass auf Schnelltests

Viele gängige Corona-Schnelltests erkennen eine Omikron-Infektion oft nicht. Forscher um den Münchner Virologen Oliver Keppler von der Ludwig-Maximilians-Universität haben die Leistungsfähigkeit von neun handelsüblichen Antigen-Schnelltests für die Erkennung einer Infektion mit der Omikron- oder der Delta-Variante untersucht - und ziehen eine ernüchternde Bilanz: Acht der vom Paul-Ehrlich-Institut bereits für frühere Varianten des Virus geprüfte Tests wiesen eine Omikron-Infektion schlechter nach als eine Delta-Infektion, ergab die Studie, die im Fachmagazin "Medical Microbiology and Immunology" veröffentlicht wurde. 

 

"Man darf niemals ein negatives Ergebnis als Freifahrtschein nehmen", warnte Keppler. Gerade in der Omikron-Welle seien weiter Vorsichtsmassnahmen wie das Abstandhalten und das Tragen von Masken wichtig, um andere und sich zu schützen.

 

Schweiz macht selben Fehler

Doch dann kam Omikron und neben den Infektionszahlen schoss auch die Zahl an Covid-Todesfällen in die Höhe. Experten warnen nun davor, bei etwaigen Lockerungsschritten ähnlich vorzugehen. Die aktuellen Infektionszahlen würden „gar nicht so gut“ aussehen. Wieso ausgerechnet die Schweiz, die europaweit ein sehr schlechtes Zeugnis vorzuweisen hat und fast 13'000 Todesfälle zu beklagen hat, trotzdem den selben Fehler macht ist unklar. 

  

Dänemark ist eine Warnung, dass man weiter vorsichtig und schrittweise nur öffnen sollte

Zwar hat sich mit Omikron die Fallschwere geändert, letztlich zeigt sich aber auch in Dänemark: Wenn Infektionszahlen stark ansteigen, dann auch die schweren Fälle und die Todesfälle. Das wird früher oder später wiederum zu einem Problem für die Krankenhäuser.

 

Laut Experten wie dem Immunologen Carsten Watzl dürften die grosszügigen Lockerungen die aktuelle Pandemie-Welle in Dänemark deutlich verlängern – auch weil sich dort der ansteckendere Subtyp der Omikron-Variante, BA.2 durchsetzt.

 

„Mildes, aber schnelleres Virus tötet oft mehr“

Der bekannte und vielbeachtete amerikanische Virologe Eric Feigl-Ding liefert diese Einschätzung: "Ein „mildes, aber schnelles“ Virus tötet und schädigt oft mehr Menschen als ein Virus, das langsamer ist und schwerere Verläufe mit sich bringt. Selbst, wenn es nur doppelt so leicht übertragbar und ein Zehntel weniger tödlich ist. Omikron ist aber offenbar drei- bis viereinhalb Mal so ansteckend wie Delta."

 

Dänemark verzeichnet während der Omikron-Welle nach sechs Wochen bereits doppelt so viele Corona-Tote wie nach fünf Monaten Delta.

  

„Warnung aus Dänemark“

 

Auch die Virologin Sandra Ciesek erklärte im NDR-Podcast „Coronavirus-Update”: „Die Daten und Zahlen sehen auf den ersten Blick gar nicht so gut aus“.  Das Beenden der Corona-Regeln sei gerade einmal für zwei, drei Wochen gutgegangen. Auch wenn die Zahlen nur bedingt vergleichbar seien, hält Ciesek eine ähnliche Entwicklung auch in anderen Ländern möglich.

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