Freiburg: Wenn zwei Städte denselben Namen tragen

DMZ - KULTUR ¦ Patricia Jungo ¦             

 

Wenn einer zwei Städte erbaut und beiden denselben Namen gibt, zweifelt man wohl zu Recht an seiner Fantasie; auch, wenn er Herzog ist. So hat es Herzog Berchtold gemacht. Es fehlte neben einem Herzogtum bestimmt auch an Fantasie. Wie wäre er sonst auf die Idee gekommen, auch Freiburg Freiburg zu nennen?

 

Die Stammburg von Berchtolds Familie lag in der Nähe von Freiburg im Breisgau. Der junge Herzog hatte jedoch kein Herzogtum und bloß durch Erbe Anspruch auf das Herzogtum Schwaben und jenes von Burgund. In beiden Gebieten gehörte ihm auch Land, aber er scheint eher ein ungebundener junger Adliger gewesen zu sein und weniger ein Herzog. Nachdem er entschieden hatte, sich Kaiser Barbarossa anzuschließen, zog er mit ihm nach Italien in den Krieg. Barbarossa hatte vor, die rebellischen lombardischen Städte zu zähmen. Schließlich gehörten sie ja zu seinem Reich.

 

Dennoch hatten sie sich gegen den Kaiser verbündet. Berchtold blieb nicht im Hintergrund und machte sich unterwegs durchaus einen Namen: Einerseits sprach er fließend Französisch, kannte auch die Alpenpässe der Westschweiz und wurde dem Kaiser in einer Situation auch noch Lebensretter. Im Jahr 1156 schloss Barbarossa mit Beatrix, der Erbin des Burgunds, den Ehebund. Auf diese Weise erhielt er auch das Burgund und Berchtolds Anspruch auf dieses Herzogtum war dahin. Zumindest schuf Barbarossa speziell für Berchtold den Titel „Rector Burgundiae“, was etwa dem Stellvertreter des Kaisers gleichkam. So begann der Ausbau von Berchtolds Herrschaft in der Westschweiz. Bereits im Jahre 1157 gründete er auf einem Felsen über der Saane eine Stadt, der er den etwas einfallslosen Namen von Freiburg gab. Sein Vater Konrad hatte ja bereits 1120 die Stadt Freiburg in der Nähe der Zähringerburg im Breisgau erbaut. Die von Berchtold gegründete Stadt war die erste komplett neue Stadt, die nach der Antike auf „Schweizer Boden“ an einem vorher unbesiedelten Ort entstand. Mit dem neuen Stützpunkt gelang es ihm, seine Besitztümer zu vergrößern und seinen Einfluss in der Westschweiz zunehmend geltend zu machen.

 

Natürlich brachte die Stadtgründung auch für die Landbesitzer, Klöster, Ritter und Adligen große Vorteile. Die Tatsache, dass diese Stadt ihren Bürgern wichtige Rechte zugestand, zog viele Handwerker und Kaufleute an die Saane und bald erlebte die Wirtschaft einen beachtlichen Aufschwung. Dennoch wurde nicht ein richtiges Herzogtum Zähringen daraus. Die Verantwortung dafür trug jedoch neben den Wallisern eher Berchtolds Sohn als er selbst.

 

 

Quelle: www.higgs.ch

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